Zurich Film Festival 2019

Das Abenteuer Zurich Filmfestival

 

 

Das Abenteuer startete schon frühmorgens mit der Vorfreude auf den Event.  Vor Ort merkte man bereits, dass in dieser prachtvollen Stadt ein Hauch Hollywood-Glamour lag. Angekommen am Sechseläutenplatz bemerkte man sogleich die tolle Organisation der Veranstalter.  Ein Startfoto der Gruppe (Stage-on-Air) bildete den Anfang der Reise in die Filmwelt. Mit einem Kurzabstecher über den grünen Teppich gelangen wir zum Festzelt, um auch ein Teil des Glamours zu sein. Nach dem kleinen Umweg durften wir die mobile Zentrale von Radio Energy besichtigen und bekamen einen Eindruck von ihrer Arbeit.

Nach allen phantastischen Eindrücken des Filmfestivals wurde es auch schon Zeit für uns in die Welt der Filme einzutreten. Die Gruppe teilte sich auf, um verschiedene Filme sich anzusehen. Von Dokumentarfilmen bis Thriller war alles dabei.

Mit grossen Eindrücken des Stage-on-Air-Teams waren die Filme auch schon vorbei. Das Team «Mr. Jones» hatte das Privileg die Regisseurin (Agnieszka Holland) zu interviewen. Nach dem Interview tauschte man sich kurz die Eindrücke des Filmfestivals aus. Man merkte nicht, wie die Zeit so schnell vorbei war.

Euer Team

Stage-on-Air

1986

Der Film spielt in der Gegenwart und erzählt die Geschichte der jungen Studentin Lena aus Weißrussland.

Sie und ihr Freund Viktor führen eine Beziehung mit Höhen und Tiefen.

Lena findet keinen Halt in ihrem Leben. Auch ihr Freund Viktor kann ihre innere Leere nicht füllen.

Erschwerend für Lena kommt hinzu, dass ihr Vater im Gefängnis ist und er der Familie Schulden hinterlassen hat.

Sie entschliesst sich deshalb, die krummen Geschäfte ihres Vaters weiterzuführen um die Schulden zu begleichen. Lena fährt immer häufiger mit einem alten LKW ihres Vaters über die Landesgrenze und schmuggelt verseuchtes radioaktives Metall aus den gesperrten Wäldern der Speerzone von Tschernobyl.

Zwischendurch vermittelt der Film die infantile Beziehung einer jungen und unsicheren Liebe, welche damit endet, dass sich Viktor von Lena trennt. Diese sucht am Ende des Films die Weite des Waldes.

 

1986 ist eine dünne Story mit langweiligen Dialogen und ohne Musik untermauert. Die Message des Filmes ist offen. Mit der Reaktorkatastrophe von 1986 in Tschernobyl hat es nur am Rande zu tun.

Der Schnitt des deutschen Regisseurs Lothar Herzog ist eher zackig und schroff.

 

 

Hope Frozen

 

Einz ist ein thailändisches Mädchen, das im Alter von zwei Jahren an einem aggressiven Hirntumor gestorben ist. In Ihrer unendlichen Trauer wollen die Eltern, dass Einz eines Tages wieder lebt. Ihre Hoffnung ist die umstrittene, sogenannte Kryokonservierung. In einem Labor in Arizona sind nun der Kopf und das Gehirn von Einz in einem Tank eingefroren und warten auf die Wiedergeburt mit einem regenerierten Körper. Der Film zeigt, wie vor allem der Vater und der Sohn auf diese Technik hoffen und sich um den wissenschaftlichen Fortschritt bemühen. Die Hoffnung erhält aber einen herben Dämpfer, als der Sohn in Arizona herausfindet, dass die Chancen auf eine Wiederbelebung nur bei 0.01% liegen. In Thailand löst diese Geschichte über die Einfrierung eine starke Kontroverse aus, da für Buddhisten die Seele des Mädchens so nicht zur Reinkarnation geht und gefangen ist. Trotzdem hält die Familie an ihrem Plan fest, da die Obsession und der Glaube an Wissenschaft und Technik stärker sind.

Die Filmemacherin Pailin Wedel hat die Familie aus Bangkok begleitet. Hope Frozen ist der erste lange Dokumentarfilm von Pailin Wedel. Sie ist amerikanisch-thailändischer Abstammung und wuchs in Asien auf. Pailin Wedel hat schon Beiträge für verschiedene TV-Stationen wie Al Jazeera English, Bloomberg, The New York Times, National Geographic und Monocle gemacht. Sie begann ihre Karriere als Fotojournalistin bei verschiedenen Zeitungen.

Die Doku zeigt uns die Spannung zwischen Wissenschaft, Obsession und buddhistischer Spiritualität. Man hat das Gefühl, dass vor allem der Vater sich nicht von seinem Kind verabschieden will und die Sache als Wissenschaftler zu lösen versucht. Dabei drängt er seine Sicht seiner Frau, welche im Film nur wenig zu Wort kommt, und seinem Sohn auf und hält stur an seiner Meinung fest. Die Dokumentation «Hope Frozen» friert auch die Hoffnung beim Zuschauer auf intime Momente und Anteilnahme ein. Durch langwierige Dialoge wir diese gedämpft und lässt einen seltsam unberührt und ein bisschen kopfschüttelnd zurück.

 

 

La Llorona

La Llorona, ein internationaler Spielfilm über Täuschung und Gerechtigkeit spielt in Guatemala in der Zeit nach dem Bürgerkrieg. General Enrique Monteverde muss vor Gericht, um die Verantwortung über die Tötungen der indigenen Maya-Bevölkerung zu übernehmen. Er streitet alles ab. Trotz der Beweislast, wird Monteverde freigelassen. Der Kampf ist aber nicht vorbei. Als das neue Dienstmädchen Alma ins Haus kommt, erweckt sie die Erinnerungen an das Schreckliche, was Monteverde getan hat. Nachts kann er nicht schlafen. Monteverde hört ständig eine „weinende Frau.“ Seine Frau und Tochter denken, dass er unter Demenz leidet, doch die Wahrheit sieht anders aus…

 

Jayro Bustamante, ein guatemaltekischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent basiert die fiktive Figur Enrique auf dem tatsächlichen General Efraín Ríos Montt. Der Film hat einen geschichtlichen, sozialen und politischen Zusammenhang. Der Bürgerkrieg von Guatemala, der 1960 bis 1996 geschah, wurde darin erläutert. La Llorona wurde bereits an den Internationalen Filmfestspiele von Venedig und am Toronto International Film Festival vorgestellt.

 

Der Thriller war sehr spannend und hat den Zuschauer in den Bann gezogen. Der Film „La Llorona“ ist empfehlungswert, da er die geistigen Konsequenzen von Massenmördern gut wiederspiegelt und durch die Musik, die Zuschauer mit den Opfern mitfühlen können. Die Schauspieler haben eine ausgezeichnete Leistung gezeigt und so konnte der Zuschauer intensiv die Handlungen des Filmes verfolgen. Die Originalsprache des Filmes Spanisch hat dem Zuschauer eine authentische Mitverfolgung des Geschehenen erlaubt und durch die Untertitel auf Deutsch und Englisch konnte auch der internationale Zuschauer den Film gut verstehen und geniessen. Die Kameraführung war oft langsam, was die Stimmung angespannt und herausgefordert hat. Der Zuschauer musste die Luft oft anhalten, denn die traumatischen Filmszenen waren jeweils erschreckend.

 

Text von A.I.

 

 

Mr. Jones

Im Film Mr. Jones geht es um einen Jungjournalisten aus Wales, der Anfang der 30er Jahre den zweiten Weltkrieg befürchtet. Nach dem grossen Börsencrash möchte der Journalist Gareth Jones herausfinden, wie es um die russische Wirtschaft steht. Gareth Jones macht sich im Jahr 1933 auf den Weg nach Russland (Moskau), da Jones all dem Überschwang nicht traut.

Als Gareth Jones in Moskau ankommt, erkennt er, dass in diesem Land nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Jones brauchte Zeit zum Erkennen, dass das viele Geld aus der fruchtbareren Ukraine kommt. Mr. Jones nimmt ein grosses Risiko auf sich, um in die Ukraine zu gelangen. Dort bemerkte er die Ausbeutung der Ukraine durch Russland. Durch die dortige Hungersnot (Holodomor) starben viele Ukrainer. Im Film wird gezeigt, dass sie auch nicht vor Kannibalismus zurückschreckten.

Jones wird verhaftet und in ein Gefängnis geworfen, dort trifft er auf sechs englischen Ingenieure. Mr. Jones muss versprechen, die Lage der Ukraine niemandem zu erzählen. Sofern er dies tun sollte, würden die sechs englischen Ingenieure ermordet. In England angekommen will er sein Versprechen nicht einhalten und die Informationen veröffentlichen. Trotz des grossen Gegenwindes der Politik und der Bevölkerung ist er bei seiner Meinung geblieben und musste später dafür büssen.

Agnieszka Holland ist eine polnische Regisseurin, die viele Erfolge im Bereich Fernsehen und Film gefeiert hat. Ihre bekanntesten Filme sind: «Hitlerjunge Salomon» und «Bittere Ernte».

Mr. Jones ist ein Film mit vielen Eindrücken zur weltweiten Geschichte. Man merkt, dass in dieser Zeit die Menschenrechte nicht eingehalten wurden. Durch den Film wurde dargestellt, wie weit der Mensch gehen kann.

Die Schauspieler waren sehr authentisch und haben sich gut in die Rolle hineinversetzt. Die Filmkulisse wurde ziemlich wahrheitsgetreu aufgebaut. Die Kameraperspektiven waren gut, allerdings gab es zu viele Zwischengeräusche.

Infos zum Regisseur & Film:

Regisseurin: Agnieszka Holland (geboren am 28.11.1948 in Warschau, Polen)

Dauer: 119 Minuten

Genre: Drama, Thriller, Geschichte

 

 

Sakawa

Sakawa ist ein ghanaischer Begriff für illegale Praktiken, die modernen internetbasierten Betrug mit afrikanischen traditionalistischen Voodoo-Ritualen verbinden.

Ben Asamoah ist ein belgischer Regisseur mit ghanaischen Wurzeln. Er ist in Ghana geboren und in Belgien aufgewachsen, unterdessen wieder nach Ghana zurückgekehrt und behandelt sein Thema aus seiner eigenen afrikanischen Sicht. Er sagt, wenn er nicht die Gelegenheit gehabt hätte in Belgien Film zu studieren, wäre er in Ghana wohl ein „Sakawa“-Boy geworden, wie viele seiner Bekannten. Der Film versucht aufzuzeigen, dass die Protagonisten, diese Betrügereien aus reiner wirtschaftlicher Not begehen, weil sie überhaupt keine Alternative dazu haben, und auch nicht reich werden dabei.

Er fokussiert vor allem auf die telefonischen Kontakte der Sakawas mit ihren Opfern in Nordamerika oder in Europa. Männer telefonieren mit Handys, die mit stimmenverändernder Software ausgerüstet sind und dem Angerufenen vortäuschen, er telefoniere mit einer Frau. Ausserdem sehen wir auch wie sie sich in Mail- oder sogar Bankkonten einhacken.

Uns wird das menschliche Gesicht der Täter gezeigt und wir hören zu, wie sie sagen: "Dieser Kunde könnte ein guter Fang sein" oder "Ich werde das ganze Geld dieses Kunden nehmen." Wir sehen sogar jemanden, der sich in gieriger Erwartung der Geldtransaktion aus dem Norden die Hände reibt. Der Film zeigt aber auch auf, dass sie nicht wirklich reich werden damit.

Der Film verzichtet darauf, durch eine fachkundige Analyse das Thema zu vertiefen, vielmehr wird das was geschieht neutral dargestellt, als ob die Banalität der Ereignisse betont würde. Es ist schwierig, keine Sympathie für die in der Regel weissen Opfer im Westen zu empfinden, die sich der möglichen Folgen der bedenkenlosen Entsorgung ihrer alten Computer oder Smartphones überhaupt nicht bewusst sind.

Letztlich ist dies ein Film über gegenseitige Ausbeutung. Der Westen entsorgt seinen unerwünschten Elektroschrott bedenkenlos bei den Armen in Afrika, die umgekehrt daraus ihr Geschäftsmodell entwickeln, um Geld von unbedarften Opfern in den USA, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz usw. zu erpressen. Auf der einen Seite gewinnen beide, anderseits verlieren beide.

Was wir und die westlichen Medien oft ignorieren, ist die unglaubliche Belastbarkeit und der Optimismus den Afrikaner für ihre Probleme aufbringen können. Was im Westen als Betrug gilt, ist für die „Sakawa“-Boys lediglich das Ausnützen der verfügbaren Ressourcen, dem Film gelingt es dabei das menschliche Gesicht der Täter zu zeigen.

 

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