Stadtmuseum Aarau

«Ein Besuch im Museum ist was für alte Leute.» Diese Aussage stimmt definitiv nicht. Dies konnten die Teilnehmenden von stage-on-air im Rahmen eines Kurses selbst erleben. Mit der Meyerstollen&Stadt Führung wurde dieser Tag unvergesslich.

 

 

Netzwerk Schweizer Pressefotografie – Ausstellung Stadtmuseum Aarau bis 08. Juli 2018

Die Bilder der Zerstörung sind überwältigend. Ob 2017 in Bondo oder 1993 in Brig. Die Pressebilder informieren und schockieren – sie berühren uns. In der Ausstellung «Netzwerk Schweizer Pressefotografie» wird dem Bild von der Auftragserteilung bis zur Veröffentlichung in der Zeitung nachgegangen. Der Blick hinter die Kulissen zeigt das Netzwerk der Beteiligten, ihre unterschiedlichen Berufsfelder und ihre Zusam­menarbeit.

23 Millionen Fotos bewahren die zehn Archive des Schweizer Netzwerks Pressebilderarchiv auf, knapp 5 Mio. alleine das Ringier-Archiv. Das gesamte Bildmaterial wurde von Ringier mittels einer Schenkung im Jahre 2009 dem Stadtmuseum Aarau zu Verfügung gestellt. Das Stadtmuseum Aarau zeigt in einer sehenswerten Ausstellung gegen 500 Bilder aus der Welt der Massenbildproduktion im Zeitrahmen zwischen 1950 und 2000. Hinter jedem Foto steckt nicht einfach nur der Fotograf, es ist ein Zusammenspiel verschiedener Akteure: Auftraggeber, Bildredaktoren, Laboranten und Retoucheure, Journalisten und auch die Fotografierten selbst. Den Besuchern wird ein Einblick zurück auf die Arbeitspraxis ermöglicht, als ein fotografisches Bild noch auf Film belichtet und im Labor bearbeitet wurde. Die Retoucheure arbeiteten nicht vor dem Bildschirm, sondern direkt auf den Abzügen und Negativen. Die Bilder können dabei nicht nur verbessert werden, sondern werden auch öfters manipuliert. Solche Fake News wurden schon seit Jahrzehnten verbreitet, wie z. B. im November 1997 als bei einem Anschlag in Luxor 36 Schweizer ums Leben kamen. Hierbei bildete der Blick ein Foto ab, bei dem eine langezogene Wasserlache vor dem Hatschepsut-Tempel gezielt rot eingefärbt und so als eine Blutlache unter der Bezeichnung „Blutspur des Grauens“ dargestellt wurde.

Die Aesthetik der Pressefotografie, vom Queen Besuch 1980, über Sport Grossveranstaltungen wie der Tour des Suisse oder dem Schweizer Fussball-Cupfinal, haben einen zusätzlichen Reiz verliehen. Sportveranstaltungen bieten den Massen Spektakel und Unterhaltung. Sportzeitschriften entstehen, um mit Berichten und Bildern den Sport zu popularisieren. Die Anforderungen der Sportfotografie, die raschen Bewegungsabläufe und die Geschwindigkeit festzuhalten, waren eine starke Triebkraft für die technische Entwicklung der Fotoausrüstung.

Unwetterkatastrophen sind gerade im Gebirgsland Schweiz, eine unberechenbare Gefahr. Unwetterbilder sind nicht planbar und entstehen oft unter schwierigen Bedingungen. Jedes Pressefoto hat seine eigene Geschichte. Einige sind lustig, poetisch, tragisch oder sehr traurig. Jeder Augenblick kann mit einem einzigen Klick festgehalten werden.

In diversen Vitrinen werden verschiedene Fotografien zu einem speziellen Thema dokumentiert. Im ganzen Raum sind mehrere Headlines, wie z. B. „Die Queen wird bewacht wie ein Staatsschatz“ positioniert. Interessante Interviews mit Reportern und Fotografen zeigen, wie anspruchsvoll es sein konnte, unter erschwerten Bedingungen zu arbeiten.

Die Ausstellung verdeutlicht, wie viele Arbeitsschritte und Personen bei der Erstellung solcher Bilder vonnöten sind. Sie zeigt deshalb, wie stark sich die einzelnen Arbeitsschritte mit der Zeit verändert haben. Ein ein gutes Bild sagt jedoch noch immer mehr als tausend Worte.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire Daniel Kramer verfasst

 

 

 

Meyer & Meyer

Das Buch Meyer&Meyer wurde von Markus Kirchhofer geschrieben und von Reto Gloor gezeichnet. Die beiden Autoren lernten sich in der neuen Kantonsschule Aarau kennen, mit welcher Sie auch die Meyerschen Stollen besichtigten. Durch diese Besichtigung, wuchs das Interesse der beiden an der Familie Meyer. Die Schriftsteller verarbeiten in dem Buch die etwas spezielle Geschichte einer sehr berühmten Aarauer Familie. Sie erzählen die Geschichte der Familie Meyer in einem teils fiktionalen Comic, welcher aber durch und durch mit wahren Begebenheiten bestückt ist.

Das Werk handelt von Johann Rudolf Meyer Senior und Junior, zwei der einflussreichsten Aargauer Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Angefangen mit einem kleinen Tuchhandel, baute Meyer Senior mit seinem Sohn ein erfolgreiches Textilunternehmen in Aarau auf. Durch weltweiten Handel zählten sie schliesslich zu den reichsten Bürgern der Stadt. Sie betätigten sich aber auch als Förderer von Wissenschaft und Kultur. Bekannt sind die Meyers heute vor allem durch die Meyerschen Stollen, welche sich unter der Altstadt Aaraus erstrecken und teilweise heute noch begehbar sind. Das Buch vermittelt aber auch einige andere Aspekte über die Geschichte Aaraus, sowie auch den Einfluss der Französischen Revolution auf die Stadt. Das Werk ist dem Comicstil Ligne Claire unterzuordnen, was sich im Comic durch die präzisen Konturen, sowie flächige einfarbige Kolorierungen ohne Farbverläufe oder Schatten auszeichnet. Die Zweitausgabe des Comics erschien im Jahre 2015 und wurde im Vergleich zu der erst Ausgabe mit einigen Fachlichen Infos von Mark Griesshammer ergänzt.

Bei dem Comic geht teilweise der rote Faden verloren, was es schwer macht der Handlung zu folgen. Wenn man die Geschichte der Familie Meyer nicht kennt, ist es schwierig das Buch überhaupt zu verstehen und zwischen den fiktionalen Teilen und den wahren Anekdoten zu unterscheiden. Für jemanden, der sich mit dieser Familie bereits auskennt und sich auch für die Meyers interessiert, kann dies ein sehr spannender Comic sein. Auch bei mehrmaligem durchlesen, fallen einem immer wieder schöne, kleine und wahre Anekdoten auf. Bis auf den Einband ist das Buch in Schwarz Weiss gehalten. Dies wurde für meine Augen nach einiger Zeit des Lesens anstrengend. Auch die Schrift ist nicht immer sehr einfach zu lesen, weshalb bei mir der Lesespass an dem Comic ausblieb.

Mir persönlich hat das Buch nicht wirklich gefallen. Den roten Faden suchte ich vergebens. Trotzdem fand ich den Mix aus Fiktion und Wahrheit sehr interessant und ich würde es denen weiterempfehlen, welche sich für die Geschichte in Aarau interessieren aber auch schon einige Vorkenntnisse über das Leben der Familie Meyer haben.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire Luca Frabotta verfasst

 

 

 

Meyerstollen

Die Stadt Aarau verfügt über ein unterirdisches Stollenlsystem welches in der Zeit um 1791 bis 1811 entstanden ist. Die Idee zum Bau dieses Stollensystems hatte ein angesehener Bürger der Stadt, Johann Rudolf Meyer Sohn, der älteste Sohn des Seidenbandindustriellen Johann Rudolf Meyer genannt Vater Meyer. Johann Rudolf Meyer Sohn war auch für die Erstbesteigung des Jungfraujochs 1811 verantwortlich er galt als sehr sportlich und unternehmungslustig.

Nach dem Einmarsch der französischen Truppen unter Napoleon und dem Weggang der vorher herrschenden «Berner Herren» galten die Meyers als reichste Familie in Aarau.

Napoleon war es der die Stadt Aarau zur ersten Hauptstadt der Schweiz machte auch wenn dies nicht lange der Fall war ist es historisch von Bedeutung. Der Grund für das Stollensystem war Wasser, sauberes Wasser! Dies wurde durch den Sandstein gereinigt, in den Tunneln gesammelt und durch diese Stollen der Villa Meyer, in welcher sich im Keller eine Seidenbandfärberei und das Labor des Johann Rudolf Meyer Sohn befanden, zugeführt. Johann Rudolf Meyer Sohn genoss eine breite naturwissenschaftliche Ausbildung, was ihm hervorragende Kenntnisse in Chemie und dem Handwerk des Seidenfärbens verlieh. Die Familie Meyer war die erste welche sich eine Villa ausserhalb der Stadtmauern baute, auf diesem Grundstück fingen sie dann auch mit den Grabungen der Stollen an. Als eine der reichsten Familien in Aarau verbot ihnen auch niemand diese Grabungen diese blieben auch fast unbemerkt, weil niemand der davon wusste darüber sprach um den daraus resultierenden Vorteil bei der Herstellung der Seidenstoffe zu schützen. Dies verhalf der Familie Meyer im Bereich der Seidenfärberei zu einer Vormachtstellung. Erst 1826 mussten die Meyers eine Konzession dafür bezahlen welche in Form einer Steuer erhoben wurde.

Das gesamte Stollensystem hat eine ungefähre Länge von 1700m und erreicht Tiefen von bis zu 17m.

In Verlaufe des weiteren Ausbaus der Stollen ab dem Jahre 1807 und dem damit einhergehenden Bau der neuen Fabrik (1810), wurde ein unterirdisches Wasserrad ins System eingebaut welches zur Energiegewinnung verwendet wurde. In dieser Form wurde das ganze System bis 1881 genutzt, die letzten Stauvorrichtungen wurden dann 1888 aus den Stollen entfernt.

Dieses Stollenlsystem mitinitiert hat der beste Freund von Rudolf Meyer Sohn, Samuel von Gruner. Er war Bergwerksdirektor im Bergwerk Küttigen. Aus diesem Bergwerk kamen wahrscheinlich auch die Arbeiter welche die Stollen gruben, gearbeitet wurde von Hand mit Bickel und Schaufel im Schichtbetrieb.

Mit dem «Aufschluss Meyerstollen» entstand nun im 3. UG des Bahnhofs Aarau ein Ort, an dem einem ein Einblick in die geologischen Gegebenheiten des Bodens gegeben wird und man sich einen Blick auf dieses faszinierende frühindustrielle Baudenkmal ermöglichen kann. Über einen Steg erreicht man die alten Stollen, welche auf einem kurzen aber sehr eindrücklichen Teilstück in natura gefahrlos besichtigt werden können. Ausserdem kann man sich mit der Geschichte der Seidenbandfärberei vertraut machen und Einblicke in das Leben und Schaffen des Johann Rudolf Meyer Sohn gewinnen.

1 Abbildung des Tunnelverlaufes / Standort: Hauptbahnhof Aarau vis à vis Billetteschalter

Agenda / Öffnungszeiten

Öffnungszeiten 2018/2019

Der «Aufschluss Meyerstollen» ist jedes erste Wochenende im Monat offen. Der Eintritt ist gratis. Jeweils um 14:15 Uhr findet eine kurze Führung statt.

Daten zur Besichtigung sind jeweils der 1. Samstag/Sonntag im Monat von 14 bis 16.00 Uhr

Weitere Öffnungszeiten anlässlich einer Veranstaltung oder eines Spezialprogrammes:

  1. Juni 2018, 18 und 20 Uhr «Nordwärts» - Literarische Konzerte mit dem Kammerton-Quartett und Ulrich Knellwolf. Der Autor liest sein neu verfasstes skandinavisches Märchen mit eingeflochtenen (zumeist) nordischen Liedern und Balladen des Kammerton-Quartetts. Eintritt CHF. 25.- Beschränkte Platzzahl, Reservationen unter www.kammerton.ch oder 062 534 72 70

Öffentliche Führungen «Vom Stollen ins Museum»

Kontakt/Anmeldung Führungen

Stadtmuseum Aarau Schlossplatz 23 5000 Aarau

museum@aarau.ch oder 062 836 05 17 (Di – Fr 11 – 17 Uhr) www.stadtmuseum.ch / www.meyerschestollen.ch

 

Bilder: Albion Bytyçi          

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