Schreibwerkstatt

Alle sitzen auf ihren Stühlen, der Blick nach vorne gerichtet. Beate Schäfer, unsere heutige Kursleiterin zum Thema kreatives Schreiben, ist bereit, sich unsere Geschichten anzuhören. Ein paar von uns wirken nervös, schliesslich müssen wir nach vorne und der gesamten Besatzung vorlesen, was unser Innerstes hervor gebracht hat. Die Geschichten die wir heute vorlesen, haben wir entweder selbst erlebt oder erfunden. Am Tag zuvor waren wir in der Stadt und beobachteten Spaziergänger, hektische Geschäftsleute und Kaffeetrinker. Wir lauschten, was um uns herum passiert - Musik, Baustellenlärm und Gespräche, wir nahmen alles auf und schrieben unsere Eindrücke zu Papier. Zusätzlich konnten wir unsere Schreibfähigkeiten durch spielerische Übungen weiterentwickeln, etwa um das spontane Schreiben zu festigen.

Später konnten wir diese Eindrücke dann zu einer Geschichte verarbeiten oder etwas anderes, eigenes schreiben, dass mit uns zu tun hat oder auch etwas, was völlig frei erfunden war.

Während der Vorlesung wird schnell klar, wir alle können schreiben. Einzelne,  die im vorhinein ihren Missmut gegen das Schreiben äusserten, überraschten mit sagenhaften Texten.  Andere weckten Emotionen durch eigens erlebte Gefühle,  die sie nahezu verbildlichten. Am Ende des Kurses kann man sagen, haben wir uns alle noch ein wenig besser kennengelernt und das Band zwischen uns noch mehr gefestigt.

Nicht zuletzt gilt ein Dank der sympathischen und aufgestellten Kursleiterin, die durch ihren grossen Erfahrungsschatz als Lektorin und Coach diverser Schreibkurse eingängig vermitteln konnte, wie gut es tun kann, zu schreiben – vielen Dank dafür Beate Schäfer.

(Dieser Beitrag wurde von Stagiaire C.B verfasst.)

Wenn ich schreibe...

 

Bei der Aufgabe „Wenn ich schreibe“ sollten wir uns während dem Schreiben Gedanken darüber machen, was das Schreiben in uns auslöst und was uns dazu in den Sinn kommt. 

Wenn ich schreibe…

…kann ich meine Gefühle besser ausdrücken.

… lasse ich meiner Fantasie freien Lauf.

… bin ich in einer ganz anderen Welt.

… brauche ich meine Ruhe.

… sollte das ohne Vorlage sein, nicht etwas, das schon vorgeschrieben wurde, sondern von mir ist.

… kann ich erfinderisch sein, aber nicht immer.

… geht das selten auf Knopfdruck.

(L.B.)

 

Wenn ich schreibe …

… folge ich dem Gesetz der deutschen Sprache (so gut wie‘s geht)

… wiederspiegeln die Worte meine Seele

… kann ich „kotzen“

… schaffe ich mir meine eigene Welt

… verarbeite ich schlechte Gefühle

… belehre ich mich selbst

… sehe ich Bilder, rieche ich Düfte

… fühle ich den Rhythmus der Musik, die ich höre

… spiele ich mit Worten

… schreibe ich Schlechtes der Welt und Gutes der Seelen

… schreib ich mich frei

(M.T.)

 

Wenn ich schreibe…

…ist es ein Einkaufszettel.

… ist meine Schrift immer anders.

… ist es ein Muss oder Sollte.

… sind es oft Notizen.

… ist es WhatsApp.

… ist es eine E-Mail.

… ist es fast immer Schweizer-Deutsch.

… ist es gut, gibt es ein Rechtschreibprogramm.

… ist es Formulare-Ausfüllen.

… ist es meine Unterschrift.

(M.G.)

Schreibspaziergang

Unweit von mir auf einer selbigen Parkbank wie ich, sitzt ein Mann. Er hat braune Haut, sicher nicht aus dem Sonnenstudio, sondern er kommt von weit her. Wahrscheinlich, kann ja auch sein, dass er hier aufgewachsen ist, statt in Brasilien oder so.

Fast bewegungslos sitzt er da und schaut, den Kopf immer wieder wendend, umher. Fast ein wenig verloren scheint er mir, unsicher, wie er mit allem hier umgehen soll, ein bisschen fremd, so scheint es mir, kommt ihm alles hier vor. Seine Arme hat er, seit ich ihn beobachte, auf seinen Knien und die Hände ineinander verschränkt. Gut sieht er aus, gepflegt und anständig, sofern sich dies von hier sagen lässt. Es interessiert mich wirklich, ob meine Ansichten über ihn stimmen. Sollte ich ihn ansprechen?

Jetzt ist sie wieder leer und momentan ungebraucht, die Parkbank. Drei Längsstreben ca. 2m zum Sitzen, zwei Längsstreben zum Anlehnen, aus beigem Holz, sehr bequem. Was nicht alles für Menschen auf ihr sitzen in ihrem langen Dasein, wie viel Emotionen erlebt sie, nimmt sie hin in stoischer Ruhe und unbewegt. Tagtäglich erholen sich die Menschen auf ihr oder sitzen einfach da und beobachten die vorübergehenden Leute. Manche trägt sie leicht und bei manchen ächzt sie unter deren Gewicht. Wenn sie mir nur sagen könnte, was sie alles erlebt, so spannend wäre es zu erfahren, was die Menschen bewegt, sie umtreibt.

(R.M.)

Eigene Kurzgeschichten - Beispiel

Das einäugige Monster

Mit einem vorgegebenen Ziel schlendern wir durch die Innenstadt auf der Suche nach dem perfekten Ort. Die Aufgabe - leicht und schwierig zugleich. Trotz lockerer und lustiger Stimmung nehme ich die Umgebung zum ersten Mal unbewusst intensiver wahr. Die Klänge, die Düfte, die Menschen. Alles was sonst im Alltag ausgeblendet wird, ist nun plötzlich präsenter.

Unscheinbar im Stadtbild verankert, sind diese sterilen, silbernen Haifischmülleimer, denen wir alle paar Meter begegnen. Doch einer fällt mir besonders auf. Nicht weil er mit Müll überhäuft ist, wie man es annehmen könnte. Nein, dieser ist anders. Die silberne Haifischform hat auch dieses Exemplar, nur ist die Bauchmitte dieses Mal weiss. Auf dieser weissen Grundfläche lächelt mich ein einäugiges, grünes Monster an, als ich meinen Abfall entsorgen möchte. Grinsend, als hätte ich gerade einen Hund gestreichelt, befasse ich mich mit ihm. Es erinnert mich an die einäugige Kreatur aus dem Monster AG Film. Dieses ist jedoch kindlicher gezeichnet. Violette Punkte zieren seinen runden Körper. Rechts und links von seinem Kopf ragen zwei kleine spitze Hörner hervor, welche blau und gelb gestreift sind. Zacken an seinem Umriss weisen uns darauf hin, dass es sich hierbei um ein zotteliges, behaartes Wesen handeln muss. In der Mitte dieses Monsters ein grosses rotes Maul mit gelben Zähnen, die einer Schlossmauer gleichen. Es muss sich um das vegetarische Müllmonster handeln und somit sind spitze Zähne überflüssig, denke ich mir dabei und kann mir ein weiteres Mal das Lachen nicht verkneifen. Es wirkt auch viel freundlicher und kindlicher auf diese Weise.

Der linke Arm ist an seinen Körper angelegt, aber sein rechter Arm ist ausgestreckt und als ich mich ein wenig zur Seite begehe, sehe ich auch warum. Es hält einen Müllbeutel in der Hand. Leicht gerundet, scheint dieser schon einiges Passendes bekommen oder gefunden zu haben. Doch auch da fällt einem etwas auf. Sein Beutel ist keineswegs intakt. Ein kleines Loch lässt eine gelbe Flüssigkeit entweichen. Fertigsuppe wird es wohl heute für meinen kleinen Freund so nicht geben, wenn er jetzt schon die Brühe durch diese Öffnung verliert. Fasziniert von diesem kleinen Ungeheuer, sitze ich auf der Bank nebenan und schaue zu, wie es zwischendurch immer wieder gefüttert wird. Doch ausser mir scheint keinem dieser süsse, dicke Brummer aufzufallen. Zu beschäftigt und hektisch scheinen sie alle zu sein und ich frage mich, ob es mir auch sonst aufgefallen wäre, hätte ich nicht diese gestellte Aufgabe zu erfüllen.

Doch. Es wäre mir aufgefallen, bin ich überzeugt. So auffällig ist dieses Ding. Es macht den Anschein, als würde es dich am liebsten anspringen um dich nach Habseligkeiten zu durchsuchen oder mit dir mitgehen zu wollen. So farbintensiv ist es, als würde es dieses triste Aluminium, das es umgibt, nicht geben. Schade denke ich mir, dass wir vor lauter Eile im Leben nicht mehr Zeit haben, um solche kleinen Bereicherungen zu erkennen und zu geniessen.

Meinen kleinen Freund scheint dies nicht zu stören. Nur darauf wartend, dass es noch mehr bekommt, begrüsst es weiterhin jeden Passanten mit seinem kecken Lächeln und verabschiedet diese auch auf die gleiche Art. Ein Schelm wer denkt, dass es dies nur tut, um zu bekommen, was es will.             

(D.B.)

Anschliessend zu dieser Geschichte folgen hier noch einige weitere Ausschnitte welche auch von unseren Stagiaires verfasst wurden.

...Diese Frau muss ich haben. Heute wird es vielleicht der erste perfekte Abend mit diesem Geschöpf. Also auf in den Kampf. Ich nehme all meinen Mut zusammen und bewege mich auf sie zu. Ich lächle sie an, sie mich, Gott sei Dank, ich hab sie schon halb. Sie stellt sich vor als Leyla und wir kommen sofort ins Gespräch. Wir lachen, scherzen, diskutieren über Gott und die Welt. Ob ich sie wohl zu mir nach Hause kriege, fragte ich mich. Na klar, ich bin jung, sportlich, humorvoll  und Mutter und Vater haben einen tollen Job gemacht meiner Meinung nach. Wir haben die Zeit verloren, so tief waren wir in unsere Gespräche vertieft, es ist schon spät...

(M.G.)

...Die Vibration meines Handys holt mich aus meinen Gedanken. Auf dem Display steht der Name meiner Freundin, die Einzige die mir geblieben ist. Wer sollte mich auch sonst anrufen? Frustriert drücke ich auf Annehmen – diese blöde neue Technologie. Ich drücke nochmals, aus dem Lautsprecher des Telefons höre ich die Stimme von Victoria. Ja! Touchscreen null, ich eins. Ich nehme mir vor, diesen kleinen Wettkampf später weiterzuführen. „ Victoria? Geht’s dir gut? Seit wann rufst du so früh an?“ spreche ich mit leichter Verwirrung in das Ding. „Meine liebe Nathalie, na klar, ich fühl mich ausgezeichnet. Es ist doch kein Geheimnis, dass du so früh schon aus den Federn bist.“ Wo sie Recht hat, hat sie Recht, denke ich mir. Victoria fährt fort: „ Was hältst du davon, heute Nachmittag einen Kaffee trinken zu gehen? Wir könnten in dieses Café in der Stadt, irgendwas mit Neunzig im Namen – Na?“ Na toll, ich bin 60 Jahre alt und soll mich in ein Café setzen, indem nur irgendwelche jungen Dinger rumsitzen, die darauf warten von irgendeinem Typen angequatscht zu werden, damit er sie nachdem sie ihm zwei bis drei Kinder geschenkt hat und jahrelang den Hausdiener gespielt hat, wegen genau so einem jungen Ding, dass sie mal waren, abserviert...

(C.B.)

...Angesagt war Jamaaladeen Tacuma mit seiner Small Band, ein schwarzer Bassist aus Philadelphia, einer meiner kleinen Helden und Inspirator am E-Bass. Die Vorfreude war riesig zumal wir natürlich nicht reserviert hatten und mal rechtzeitig einen Superplatz ergattern konnten.

Plötzlich schlenderte unauffällig dieser eindrückliche schwarze Hyne an uns vorbei Richtung Bühne. Ich konnte mir’s natürlich nicht verklemmen meiner Exfreundin ins Ohr zu flüstern hey, das ist er im Fall … zu meinem bassen Erstaunen drehte er sich nachdem er bereits etwa zwei Tische weiter war um, kam direkt auf mich zu, streckte mir seine Hand entgegen und meinte, hey man nice to meet you … selbstverständlich antwortete ich ihm, den genauen Wortlaut weiss ich aber nicht mehr, er hatte mich ja total überrascht. Was ich aber noch genau weiss das wir kein Wort über Musik verloren. Das wars, er ging dann weiter Richtung Bühne sich einrichten und ich war völlig baff...

(H.W.)

 

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