53. Solothurner Filmtage

Auch in diesem Jahr war stage-on-air bei den Solothurner Filmtagen dabei. Mit jährlich über 65‘000 Zuschauern bot auch die 53. Ausgabe eine grosse Auswahl von insgesamt 159 Schweizer Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen an -davon 28 Weltpremieren.

Der Klang der Stimme

Gewinner des „Prix de public“ 2018

Deutsch mit französischen Untertiteln

Der Regisseur und Filmemacher Bernhard Weber erklärt uns vor dem Film, dass der Klang und die Musik ihn schon das ganze Leben begleite. Als Kind habe er oft vor sich hin gesummt und im Takt mitgewippt. Lachend hat er gesagt: „Wippen tut gut, probieren Sie das ruhig einmal aus“ (Man müsse sich nur einen Ort suchen, wo niemand zusehen könne) Der Dokumentarfilm geht der Frage nach dem absoluten Klang der Stimme nach. Was ist das? Wie macht man das? Ist er für alle gleich? Der Film nähert sich auf vielfältige, überraschende Weise der Antwort an. Die vier Hauptprotagonisten sind sehr verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Musikstilen und Berufen  aber alle haben eine grosse Leidenschaft für die Musik und die Stimme. Andreas Schärer, ein Musiker der mit seiner Stimme Klänge sucht, sagt, dass Musik eine Befreiung der Seele sei. Die Therapeutin Miriam Helle inspiriert und begleitet Menschen mit Tönen ihrem Inneren zu begegnen und loslassen zu können. Regula Mühlemann eine berühmte Luzerner Sopranistin lässt Ihre schöne Stimme in vielen Gebäuden erklingen und sucht nach der Perfektion – von der Stimme getragen. Ganz anders geht Matthias Echternach an den Klang heran. Wissenschaftlich versucht er das Geheimnis des Klangs und der Stimmbänder zu ergründen. Es sind die persönlichen Geschichten aller Beteiligten, der schöne Klang und die unglaublich grosse Vielfalt die den Film ganz besonders machen. Musik und Singen machen gute Laune.

Als Gäste nach dem Film kam der Regisseur und die Fernsehmoderatorin Susanne Kunz, auf die Bühne. Sie haben dem Publikum einige Fragen zum Film beantwortet. Bernhard Weber sagte, er habe seine Protagonisten so ausgewählt, dass möglichst ein breites Spektrum von Stimmbenutzern dabei sei. Wissenschaft und konditionierte Singerei, freie Umsetzung und Benützung des ganzen Körpers beim Töne erzeugen. Auf die Frage warum er nicht Sänger geworden sei meinte er lachend, dass sei etwas für unter der Dusche bei ihm.  Er stehe auch bedeutend lieber hinter als vor der Kamera . 

Susanne Kunz, die in dem Film eine Therapiestunde bei Miriam Helle besucht, erzählt uns, dass Sie ihre Stimme verloren hätte und durch die Arbeit mit der Therapeutin wieder zu ihrer Stimme gefunden hat.

Lass uns mitwippen! Geh und schau Dir das Klangspiel an und freu Dich daran! Das ist ein must seen! Ab 8. Februar ist der Film in den schweizer Kinos zu sehen.

 

Jugend ohne Gott von Alain Gsponer

Alain Gsponers Spielfilm „Jugend ohne Gott“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des österreich-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horvath. Im Gegensatz zu früheren Verfilmungen entschied sich Gsponer für eine freie Adaption. Während der Roman sich mit der sozialen Situation in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt, spielt der Film in der nahen Zukunft.

Wir tauchen in eine Welt ein, in der nur die Leistung zählt. Entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit werden die Menschen verschiedenen Zonen zugeteilt. Die Elite lebt in Wohlstand, der Rest der Gesellschaft in Armut. Die Welt der Erfolgreichen ist für die übrigen Menschen im Prinzip unerreichbar, es sei denn sie arbeiten als Bedienstete für die Reichen und Schönen.

Wer den Leistungsanforderungen nicht mehr genügt, wird in eine tiefere Leistungsklasse verwiesen. Die Angst des sozialen Abstiegs ist ein ständiger Begleiter der Elite. Umgekehrt bietet sich auch den Jugendlichen aus den übrigen Zonen die Möglichkeit, einen der begehrten Plätze an einer der fünf prestigeträchtigen Rowald-Universitäten zu ergattern. Dazu werden alle Kandidaten in ein Lager eingeladen und müssen sie sich in verschiedenen Prüfungen bewähren. Es herrscht ein gnadenloser Konkurrenzkampf.

Im Lagerbereich, der eigentlich Sperrgebiet ist, halten sich auch so genannte „Illegale“ auf, Jugendliche, die ihre zugewiesenen Zonen verlassen haben. Die Lagerteilnehmer sollen „Illegale“ der Lagerleitung melden. Teilnehmer Zach (gespielt von Jannis Niewöhner), der den Tod seines Vaters noch nicht verarbeitet hat und kein grosses Interesse am Wettbewerb unter den Schülern zeigt, entdeckt eine Gruppe „Illegaler“ und verliebt sich in deren Anführerin Ewa (Emilia Schüle). Zachs ambitionierte Mitschülerin Nadesh (Alicia von Rittberg), die selbst von ihm fasziniert ist, entdeckt die beiden, behält das Geheimnis jedoch für sich. Sie beginnt Zachs Tagebuch zu lesen, wird allerdings von ihm erwischt. Als sein Tagebuch später gestohlen wird, verdächtigt Zach Nadesh und verprügelt das Mädchen. Zach muss das Lager verlassen, entzieht sich jedoch der Rückführung, indem er zu Ewa in den Wald geht. Nadesh findet die beiden. Es kommt zum Streit.

Alain Gsponer hat sich eine besondere Erzählweise ausgedacht, der Zuschauer erlebt die Geschichte aus der Sichtweise vier verschiedener Protagonisten: Nadesh, Zach, Mitschüler Titus (Jannik Schümann) sowie der Lehrer der Schüler (Fahri Yardim), der ebenfalls im Lager war. Einzelne Szenen werden so mehrmals mit verschiedenen Kameraeinstellungen gezeigt.

Alain Gsponer führte bislang Regie in Filmen wie „Das wahre Leben“, „Das kleine Gespenst“, „Akte Grüninger“ und „Heidi“. Hauptdarstellen Jannis Niewöhner gewann 2017 den Bayerischen Filmpreis für seine schauspielerische Leistung in „Jugend ohne Gott“ sowie in Jonathan.

„Jugend ohne Gott“ greift ein Thema auf, das den meisten Zuschauern nicht fremd sein dürfte. Der Film regt an, sich Gedanken über die Zukunft unserer Gesellschaft zu machen. Weil der Film nicht nur die Sichtweise einer Person darstellt, sondern die Geschichte aus dem Blickpunkt vier verschiedener Personen erzählt, wird die Handlung sehr gut verständlich. Die talentierten Jungschauspieler tragen ihren Teil dazu bei, dass sich der Zuschauer in die verschiedenen Charaktere hineinversetzen kann.

Gsponers Adaption von „Jugend ohne Gott“ ist eine Dystopie, bei der Jugendliche im Mittelpunkt stehen, weshalb sich ein Vergleich mit der „Hunger Games“-Reihe aufdrängt. Im Gegensatz zur erfolgreichen Hollywood-Produktion fällt es leichter, sich in die Welt von „Jugend ohne Gott“ hineinzuversetzen, da Gsponer ohne Science-Fiction-Elemente auskommt. Die notwendigen technologischen Voraussetzungen sind bereits heute vorhanden.

Fauves

Dieser Film handelt von Oskar, gespielt von Zacharie Chasseriaud, der von einem Leben in Afrika träumt, um dem Konflikt mit seinem Pflegevater Elvis, gespielt von Jonathan Zaccaï, zu entrinnen.

Der Pflegevater Elvis erhofft sich von Oskar mehr Ehrgeiz und Engagement in seiner Ausbildung, damit dieser einen gutes Abschlussexamen an der Uhrenschule erreicht. Dabei geht es ihm jedoch nicht um das Wohl von Oskar, sondern vielmehr um sein eigenes Prestige als Lehrer und Erzieher, da er als nächster Direktor der Uhrenschule auserkoren ist. Oskar sieht jedoch eine andere Zukunft für sich und träumt von Afrika, wo er bis zu seinem 4. Lebensjahr mit seinen Eltern gelebt hat. Dadurch kommt es zu Reibereien zwischen den beiden. Oskar versucht sich heimlich das Geld für ein Flugticket zu ersparen indem er kleine Uhrenteile aus der Schule bzw. von der Lehrstelle mitgehen lässt und sie dann verkauft. Oskar wird beim Diebstahl erwischt und sein Pflegevater von dessen Vergehen in Kenntnis gesetzt. Daraufhin durchsucht er das Zimmer von Oskar, findet dessen gespartes Geld und nimmt es Oskar weg. Er stellt Oskar die Bedingung, dass dieser das Geld zurückerhält, wenn er das Examen besteht. Da Oskar nun kein Geld mehr hat, wird die Zeit knapp, sein Vorhaben von der Übersiedlung nach Afrika umzusetzen, wodurch die Handlung eine dramatische Wendung nimmt und der Konflikt zwischen den beiden immer grösser wird.

Dieser Film zeigt überspitzt, wozu es führen kann, wenn Eltern aus übertriebenem Ehrgeiz sowie eigenem Prestigedenken gegen den Willen der Kinder ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen auf die Lebensplanung der Kinder übertragen wollen.

Der Regisseur Robin Erard wurde 1982 in La Chaux de Fonds, Schweiz geboren.

Zu seinen Produktionen gehören unteranderem auch die Filme:

  • 2010 Elder Jackson
  • 2008 Guillaume
  • 2005 Traveil intime

Seine bisherigen Filme waren meist Dramen und Kurzfilme. Fauves ist sein erster Spielfilm, der eine gute Mischung aus Thriller, Drama und Fantasy darstellt. Der Film wurde vor den Solothurnern Filmtagen bereits bei den Internationalen Filmtagen in Hof präsentiert.

Unserer Meinung nach ist Fauves vom Anfang bis zum Ende gut durchstrukturiert, sodass er am Ende schlüssig und aussagekräftig ist. Die Schauspieler haben ihr Rollen sehr überzeugend dargestellt, sodass man sich vorzüglich in die Handlung hineinversetzen und bis zum Ende mitfiebern kann. Auffallend ist, dass der Regisseur den Wechsel zwischen den Schauplätzen wie im Theater weglässt, was jedoch die Handlung in keiner Weise stört. Die Stimmung zum Ende des Filmes war sehr ergreifend, als das gesamte Publikum dem Regisseur für sein Werk tosenden Applaus zollte.

Flitzer

Peter Luisi ist 1975 in Zürich geboren und hat die schweizerische, Italienische und amerikanische Staatsbürgerschaft. Er arbeitet als freischaffender Drehbuchautor und Regisseur.

Peter Luisi hat sich vor allem mit den Filmen Der Sandmann (2011) und Schweizer Helden (2014) einen Namen gemacht. Er hat auch als Co.-Autor von Fredi Murer’s Vitus aufhorchen lassen und landete bereits 2004 mit „Verflixt verliebt“ einen Insiderhit. Nebst anderen Auszeichnungen gewann Luisi 2014 am Festival del Film in Locarno den Publikumspreis.

Flitzer ist ein Unterhaltungsfilm für die ganze Familie. Balz Näf (gespielt von Beat Schlatter) spielt einen verschuldeten Lehrer. Um seine Schulden tilgen zu können, kommt ihm die Idee, Flitzer in einem Trainingscamp auszubilden, um diese an Fussballspielen einsetzen zu können. Die Idee ist, dass diese möglichst lange splitternackt übers Feld rennen, bis sie von der Security erwischt werden.  Am Anfang läuft alles reibungslos, bis ihm die Polizei auf die Schliche kommt. Vor allem eine Polizeibeamtin (Doro Müggler) ist hinter ihm her, um der organisierten Verbrecherbande auf die Schliche zu kommen. Zusammen mit dem Coiffeur Kushtrim (Bendit Bajra) verstrickt er sich immer mehr in Ungereimtheiten und die Schlinge zieht sich mehr und mehr zu.

Die skurile Geschichte zeichnet sich mit etwas aprupten Handlungssprüngen aus. Trotzdem wirkt sie nie langweilig. Die Wirkung des Films ist schnell verflogen, doch einen herzhaften Lacher kann man sich immer wieder leisten. Beat Schlatter kommt nicht bei jedem an, doch seine schauspielerische Leistung kann sich sehen lassen. Viele bekannte Schweizer Gesichter (u.a. alt Bundesrat Moritz Leuenberger, Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber und Trainerlegende Gilbert Gress) zeigen sich in reellen Nebenrollen. Diverse Schweizer Schauplätze zeigen sich in dieser Produktion von ihrer besten Seite und runden somit das gute Gesamtbild ab.

Stadtrundgang Solothurn

Unter der fachkundigen Führung von Martin konnten wir eine sehr interessante Stadtführung durch Solothurn erleben. Ueber St. Ursus Kathedrale, Basel Tor, Marktplatz und weiteren anderen Sehenswürdigkeiten hörten wir spannende und ausführliche Anekdoten.

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