52. Solothurner Filmtage

Auch in diesem Jahr war stage-on-air[ bei den Solothurner Filmtagen dabei. Mit jährlich über 65‘000 Zuschauern bot auch die 52. Ausgabe eine grosse Auswahl von insgesamt 179 Schweizer Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen an.

Die Filme wurden in diversen Kinos in Solothurn präsentiert. Vor jedem Film gab es eine Moderation, in der kurz und knapp Einzelheiten über die Werke preisgegeben wurden. Am Ende standen teilweise Regisseure zur Verfügung um Fragen des Publikums zu beantworten. Zwei Wettbewerbe gaben dem Programm einen kompetitiven Rahmen. Das Publikum wählte aus den nominierten Filmen den Eröffnungsfilm >>Die göttliche Ordnung<< für den >>PRIX DU PUBLIC<<. Er handelt von einer jungen Hausfrau, welche sich für das Frauenstimmrecht in der Schweiz anfangs 1970 einsetzt. Die Jury zeichnete den Dokumentarfilm >>Docteur Jack<< mit dem >>PRIX DE SOLEURE<< aus. Hier wird das Leben eines englischen Arztes beschrieben, der mit einfachsten Mitteln Patienten auf indischen Strassen behandelt.

(Dieser Beitrag wurde von Stagiaire S.T. verfasst.)

 

Die Suche nach dem Zuhause

Zwei Menschen auf der Suche stehen im Mittelpunkt von Charlie Petersmann Dokumentarfilm >>Deltas, Back to Shores<<: Der junge Senegalese Ibrahim lebt als illegaler Einwanderer in Marokko und hofft auf eine bessere Zukunft in Europa. Der alte Portugiese Agostinho arbeitet seit über vierzig Jahren als Fischer, sieht in seiner Heimat aber keine Zukunft mehr und sollte seiner Familie nach Holland folgen. Zwischen diesen beiden Erzählsträngen wechselt der Film; und seine Spannung bezieht er aus dem Kontrast der Lebenssituationen von Ibrahim und Agostinho: Ihr Alter unterscheidet sie ebenso wie das Bild von Europa, das sie haben. Das Meer wiederum verbindet sie. Für Ibrahim ist es jedoch vor allem mit Angst verbunden, denn es ist die grosse und gefährliche Hürde auf dem Weg nach Europa. Für Agostinho ist das Meer dagegen Lebensmittelpunkt und Sehnsuchtsort.

Über weite Strecken des Films geschieht wenig. Das beginnt mit der langen Szene am Anfang, einer Ausfahrt zum Fischen, auf der Agostinho fast nichts fängt, und setzt sich fort. Darin zeigt sich dann auch die grösste Gemeinsamkeit von Ibrahim und Agostinho: Sie sind zwei zerrissene Menschen, deren Leben sich wie in einem Wartesaal abspielt. Sie hängen an ihrer Heimat und wissen doch, dass sie dort wenig Perspektiven haben. Als Zuschauer kann man dieses Warten geradezu körperlich mitfühlen. Einen der besten und berührendsten Momente hat der Film, als man in einer langen Einstellung Agostinho in die Augen sieht, der sein Geld jetzt als Arbeiter in Holland verdient und allein auf einer Baustelle steht. In diesem Moment ist sein Verlorensein in der Fremde hautnah zu spüren. Dass Petermann sich entschieden hat, diese Szene, die für sich spricht, auch noch mit Meeresrauschen zu unterlegen, gehört zu den handwerklichen Mängeln des Films, der an mehreren Stellen an einer solchen Überinszenierung leidet. C.N.

 

Stille Reserven  von Valentin Hitz

Die Suche nach dem Zuhause

 Zwei Menschen auf der Suche stehen im Mittelpunkt von Charlie Petersmanns Dokumentarfilm >>Deltas, Back to Shores<<: Der junge Senegalese Ibrahim lebt als illegaler Einwanderer in Marokko und hofft auf eine bessere Zukunft in Europa. Der alte Portugiese Agostinho arbeitet seit über vierzig Jahren als Fischer, sieht in seiner Heimat aber keine Zukunft mehr und sollte seiner Familie nach Holland folgen. Seine Spannung bezieht der Film aus dem Wechsel zwischen diesen beiden Erzählsträngen und dem Kontrast der Lebenssituationen von Ibrahim und Agostinho: Ihr Alter unterscheidet sie ebenso wie das Bild von Europa, das sie haben. Das Meer wiederum verbindet sie. Für Ibrahim ist es jedoch vor allem mit Angst verbunden, denn es ist die grosse und gefährliche Hürde auf dem Weg nach Europa. Für Agostinho ist es dagegen Lebensmittelpunkt und Sehnsuchtsort.

 Über weite Strecken des Films geschieht wenig. Das beginnt mit der langen Szene am Anfang, einer Ausfahrt zum Fischen, auf der Agostinho fast nichts fängt, und setzt sich weiter fort. Darin zeigt sich dann auch die grösste Gemeinsamkeit von Ibrahim und Agostinho: Sie sind zwei zerrissene Menschen, deren Leben sich wie in einem Wartesaal abspielt. Sie hängen an ihrer Heimat und wissen doch, dass sie dort wenig Perspektiven haben. Als Zuschauer kann man dieses Warten geradezu körperlich mitfühlen. Einen der besten und berührendsten Momente hat der Film, als man in einer langen Einstellung Agostinho in die Augen sieht, der sein Geld jetzt als Arbeiter in Holland verdient und allein auf einer Baustelle steht. In diesem Moment ist sein Verlorensein in der Fremde hautnah zu spüren. Dass Petersmann sich entschieden hat, diese Szene, die für sich spricht, auch noch mit Meeresrauschen zu unterlegen, gehört zu den handwerklichen Mängeln des Films, der an mehreren Stellen an einer solchen Überinszenierung leidet. C.N.

 

 

Non Assistance

Seit 2011 versuchen Ströme von Migranten über den Seeweg Europa zu erreichen. Im Glauben an eine bessere Zukunft begeben sie sich, meistens in laienhaften Schlauchbooten, auf eine lebensgefährliche Überquerung des Mittelmeeres. Während die Regierungen Migranten kriminalisieren, versuchen Freiwillige vor Ort zu helfen. Sie heuern Schiffe an um Seebrüchige zu retten oder reichen Strafklagen gegen Staaten an. Ihr Motto: handeln statt tatenloses Zusehen.

Ein schwerer Dokumentarfilm der unter die Haut geht. Regisseur Frédéric Choffat beleuchtet realitätsnah was die europäischen Regierungen für Migranten tun. Oder was sie eben nicht tun. Es erweckt den Anschein, dass Nothilfe sogar unterlassen wird, um Flüchtlingsströme geringer zu halten. Non Assistance zeigt aufklärend, welche Opfer die Reise nach Europa in ein besseres Leben mit sich bringt. Obwohl unzählige Leben davon hätten gerettet werden können. J.S.

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