Heimat hautnah, Flucht fühlen

 

 

Zwei Tage, zwei Orte, zwei Ausstellungen: Am 19. und 20. April 2017 haben die Teilnehmenden von stage-on-air sich damit auseinandergesetzt, was Heimat und Flucht ganz konkret für Menschen bedeuten. Und die Teilnehmenden haben sich auch damit beschäftigt, was sie mit diesen Begriffen verbinden. Denn die Besuche der beiden aktuellen Ausstellungen in Lenzburg und Aarau boten vielfältige Ansatzpunkte für intensive Diskussionen.

 

Heimat hautnah

 

Die Ausstellung „Heimat“ im Zeughaus Lenzburg beleuchtet das Thema aus ganz verschiedenen Perspektiven. Von der Geborgenheit der Gebärmutter geht es abrupt in Räume der Angst: Ob Naturzerstörung, Massentierhaltung oder fremde Kulturen – viele verschiedene Dinge können Menschen Angst machen. Sie sind uns „unheimlich“, also gerade das Gegenteil von Heimat. An der nächsten Station erfahren die Besucher anhand einer Schnell-Psychoanalyse zum Beispiel, welcher Typ sie ganz persönlich sind. Was ist wichtiger im Leben: Nähe oder Distanz? Konstanz oder Wandel? In einem weiteren Raum erzählen echte Menschen in der heimeligen Atmosphäre eines Chalets ihre jeweiligen Heimatgeschichten. In einem Spiegelgarten begegnen die Besucher dann sich selber, um später bei einigen Runden auf dem Riesenrad erst einmal durchzuatmen und womöglich auch neue Perspektiven zu gewinnen. Ein faszinierender Flug in das Weltall eröffnet schliesslich noch einen eindrucksvollen Blick zurück auf unsere gemeinsame Heimat Erde.

 

Flucht fühlen

 

Zurzeit sind weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Am Anfang der Ausstellung „Flucht“ im Stadtmuseum Aarau steht ein rund fünfzehnminütiger Film. Er macht diese unvorstellbar grosse Zahl nachfühlbar, indem er Menschen auf der Flucht zeigt. Der Film bringt harte Bilder. Dass sie auf einer Installation mit drei grossen Bildschirmen laufen, macht sie noch eindrücklicher. Auch durch die fünf fiktiven Flüchtlingsgeschichten, die den weiteren Verlauf der Ausstellung prägen, werden aus Zahlen Menschen: Die Geschichten zeigen, was es konkret heisst, Wohnung, Arbeit, Familie, Heimat zu verlieren. Zwar werden fiktive Personen gezeigt, doch sie stehen mit ihrem Schicksal für Millionen echte Flüchtlinge. Auf den Spuren der Betroffenen sind auch interaktive Elemente in die Ausstellung eingebaut: So werden die Besucher vor die Entscheidung gestellt, welche vier Gegenstände sie mit auf die Flucht nehmen würden. In einem letzten Raum wird das Asylverfahren in der Schweiz präsentiert. Am Ende der Ausstellung ist man womöglich ratlos; hat aber eine Ahnung davon, was es heisst, als Flüchtling über Jahre ein Leben im Ungewissen zu führen.

 

Weitere Informationen:

http://www.stapferhaus.ch/ausstellung

http://www.flucht-fuir.ch/ausstellung

 

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