Heimat. Eine Grenzerfahrung

Im Rahmen der Jahresausstellung "Heimat. Eine Grenzerfahrung" im Stapferhaus Lenzburg haben wir eine Radiosendung für unsere Partner bei Radio Kanal K produziert. In einer vollgepackten Stunde erfahren Sie mehr über die faszinierende Ausstellung, Traditionen und persönliche Geschichten und Hintergründe zum Thema Heimat.

Die komplette Sendung als Podcast zum Nachhören gibt's hier!

Making of „Heimat. Eine Grenzerfahrung“

Vier Tage haben wir uns mit dem Thema Heimat beschäftigt. Den ersten Kurstag begannen wir mit einem Brainstorming in Gruppe. Es kamen viele verschiedene Ideen, was Heimat bedeuten könnte, doch kamen wir nicht so richtig auf einen gemeinsamen Nenner. Danach erzählte jeder Kursteilnehmer in der Gruppe, was für ihn Heimat bedeutet. Am Nachmittag besuchten wir am ersten Kurstag die Ausstellung „Heimat. Eine Grenzerfahrung“ im Stapferhaus Lenzburg, welche sich auf jeden Fall anzusehen lohnt (siehe Folgeartikel).

Am Vormittag des zweiten Kurstages besprachen wir, was wir von der Ausstellung in unsere Sendung reinnehmen werden und diskutierten die konkreten Ideen zu den einzelnen Sende-Elementen. Danach legten wir die Zuständigkeitsbereiche fest: Moderation, Musik-Redaktion und Beiträge verfassen. Wir fixierten die Inhalte und konnten mit der Produktion beginnen. Sofort machten wir uns Solo, in Zweier- oder Dreier-Gruppen hochmotiviert an die Arbeit. Den Nachmittag fing mit einer Redaktions-Sitzung an, um den aktuellen Stand zu besprechen. Danach ging es wieder freudig ans Weiterarbeiten. Kurz vor Feierabend trafen wir uns nochmals und legten die ersten Abgabetermine fest.

Den dritten Kurstag begannen wir mit einer Redaktions-Sitzung um den Zwischenstand zu besprechen. Wir entschieden was wir realisieren werden, was wegfällt und was noch dazukommen soll. Mit dem Ziel alles bis abends fertig gestaltet zu haben, begaben wir uns wieder an unsere Aufgaben. Kurz vor der Mittagspause trafen wir uns dann nochmals um uns gegenseitig den Zwischenstand mitzuteilen. Wir waren erstaunt, wie viel wir in dieser kurzen Zeit bereits erledigen konnten. Wie immer begann der Nachmittag mit der Redaktions-Sitzung und weiter ging es mit der Produktion. Alle halfen einander gegenseitig, was ich persönlich sehr schön fand. Vor Kursende trafen wir uns wieder in der Gruppe und es gab einen letzten Zwischenstand, bevor es an die Feedbackrunde zum Kurs ging.

Am vierten und letzten Kurstag ging es dann ans Eingemachte. Etwas nervös produzierten wir die einstündige Sendung unter Livebedingungen, was sehr spannend war und wir freuten uns über ein gutes Ergebnis und über eine tolle Teamarbeit.

 

Aufgabenverteilung

- Die Jingles „Heimat isch für mich…“ hat jeder selbst im Studio eingesprochen und wurden danach von der Redaktion geschnitten und mit Musik hinterlegt.

- Die Begrüssung wurde in unseren vier Landessprachen von den Moderatoren aufgenommen.

- Moderation: In dieser Sendung gab es eine Doppelmoderation, damit es eine weibliche und männliche Stimme hat.

- Eigene Geschichte: Jeder Stagiaire schrieb eine kurze Geschichte, was für ihn Heimat bedeutet. Diese wurden für die stage-on-air Webseite produziert.

- Spezielle Geschichte der Schweiz / Einbürgerung: Dieser Beitrag wurde von einem Kollegen der Redaktion geschrieben und eingesprochen.

- Sprachliche Definition, Bürokratische Heimat und Tradition: Für diese drei Beiträge war unsere Kollegin aus der Redaktion zuständig.

- Ausstellung: Motiviert verfasste unser Kollege aus der Animation diesen Beitrag und sprach ihn im Studio ein.

- Kulturtipp: Für den Kulturtipp meldete sich unser Kollege aus der Redaktion mit grossem Interesse.

 

Dieser Bericht wurde von Stagiaire W.S. verfasst

Ausstellung Heimat im Stapferhaus

Nach dem Warm-up zum Thema „Heimat“  im Sitzungszimmer des Kanal K-Gebäudes in Aarau fuhren wir in kleinen Gruppen nach Lenzburg. Schon von Weitem war das Riesenrad –  das sichtbare Merkmal der noch bis 25. März 2018 dauernden Installationen – zu sehen. Wie an einem Leuchtturm konnte man sich zur Wegfindung daran orientieren, obwohl es bei unserem Besuch wegen Ausläufern des Sturmtiefes Burglind ausser Betrieb war. Es liess sich also kein Perspektivenwechsel aus luftiger Höhe realisieren.

Im geheizten Foyer konnte man dann einiges an Erinnerungsstücken wie Literatur und Schnickschnack erwerben, um tiefer tief ins Thema „Heimat“ einzutauchen. Nachdem wärmende Kleidungsstücke und Gepäck in einer grossen Truhe verstaut waren, ging es mit unserem Museeumsführer Mounir auch schon los zur ersten Station: Eine halbkugelförmige Kuppel aus weissem Stoff diente als Projektionsfläche für verschiedenfarbige Bilder, die wie ich erst später realisierte, das Innere des Mutterleibes, die allererste Heimat des jungen, ungeborenen Menschen symbolisierte. Die „Gebärmutter“ wurde durch einen Gang (Gebärmutterhals?) verlassen und mündete in einem grell beleuchteten und mit Kacheln ausgestatteten Raum. So ähnlich muss es wohl gewesen sein, als wir im Kreisssaal das erste Mal das Licht der Welt erblickten.

Der nächste Ausstellungsblock zeigt das Gegenteil von Heimat: Das Un-heim-liche oder sogar Angsteinflössende in Form von Nationalismus, umweltzerstörendem Handeln, Bildern aus dem Schlachthaus, Terrorismus, aber auch ganz Banalem wie die wimmernden Stimmen hinter einer verschlossenen Tür. Dies alles dargestellt im Dunkeln und bei ungewohnt schrägem und teilweise vibrierendem Fussboden. Eine kleine, angsteinflössende Geisterbahn.

Im Bereich „Psychoanalyse“ konnte man, durch Fadenvorhänge etwas von der Umwelt abgesondert, einen Fragenkatalog beantworten und ein Passfoto erstellen. Die Fragen wurden dann softwaremässig ausgewertet und ganz am Schluss in Form eines Konterfeis in einem dunklen Raum anhand von XY-Achsen, Wandel-Dauer und Nähe-Distanz an der Decke positioniert, bequem beobachtbar aus den bereitgestellten Liegestühlen. Für die Selbstanalyse musste auch ein Spiegelgarten u.a. mit Zerrspiegeln herhalten.

Arbeitsintensiv in der Realisation dürften auch die Hüttchen mit Ihren individuellen Innenleben und phantasievollen Dekorationen gewesen sein. Die unterschiedlichsten Vorstellungen von Heimat, seien es das Wohlfühlen im eigenen Körper, das Silvesterchlausen im Appenzellerland, die Religion, die Schweizer Wurzeln einer US-Amerikanerin, die Geschichte eines Flüchtlings oder das Dorfleben in Tenna, dargestellt von einer Einheimischen, wurden in diesen Häuschen thematisiert.

Der Dachstock war ganz dem Heimtland Schweiz verschrieben. Um das „Heimatland“ zu betreten, mussten wir einen Grenzzaun passieren. Über Fragen zur Gleichberechtigung, ob Pizza und Pasta zur Schweiz gehören würden, zum Händeschütteln als Brauchtum und ob das Christentum wichtiger sei als die anderen Religionen durfte man Mittels Coupon seine eigene Meinung äussern. Im Anschluss wechselten wir die Seite und blickten von der Rückseite in die Urnen, um über die Resultate in Form von unterschiedlich grossen Couponshaufen zu staunen. Eine Station mit Fernrohren liessen einen über Schweizer Grenzen hinwegsehen und auf Grenzen in aller Welt blicken. Auch wurde der Frage nachgegangen, wer das Recht hat, in der Schweiz zu bleiben und was den typischen Schweizer ausmacht, respektive ob es diesen überhaupt gibt.

Das Highlight dieser Etage war aber ganz klar die Rakete, die es einem ermöglichte, das Mutterschiff Erde aus dem Weltraum zu betrachten. Mit Virtual-Reality-Brillen konnte man sich in der virtuellen Rakete umsehen und durch Luken Sterne und Planeten im Weltall sehen.

Am Schluss des Rundganges durch das „Heimatland“ erhielten gegen Abgabe des entsprechenden Jetons alle Besucher von der Grenzkontolle einen persönlichen, sogenannten Heimatschein mit den ausgewerteten Fragen, dargestellt in Form eines Diagramms.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire W.T. verfasst

 

Eigene Geschichten zum Begriff Heimat

Jeder besitzt eine Heimat. Ob physisch, in Gedanken, in der Erinnerung oder emotional.
Jeder von uns hat eine Verbindung, eine Herkunft, ein Gefühl von daheim sein.
Dieses Gefühl von Geborgenheit hat viele Gesichter. Genau diese verschiedenen Gesichter haben wir zusammengetragen und erzählen euch, was unsere Heimat ist.

„Ich bin Italiener. Mütterlicherseits aber bereits die dritte Generation, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist. Meine Muttersprache beherrsche ich nicht annähernd wie mein Deutsch und dennoch wurde ich mit den Wertvorstellungen und der Mentalität meiner Landsmänner und –frauen erzogen. Meine Wurzeln sind fest in Italien verankert, aber was für mich wirklich Heimat ausmacht, ist doch der Ort, wo mein Herz schlägt, wo ich Erinnerungen an frühere Zeiten habe und wo ich sein kann wie ich bin und besonders wer ich bin“.

Stagiaire S.I.

„Obwohl ich nur bis zu Kindergarten in Goldau wohnte, ist es für mich immer noch etwas spezielles dorthin zurück zu kehren und vor dem  Familienhaus zu stehen, in dem ich wohnte. Dieses Gebäude war damals aus meiner Sicht sehr gross. Heute ist es eher ein kleines Haus“.

Stagiaire A.N.

„Ich bin eine gebürtige Schweizerin und wohne in Baden. Obwohl ich mich dort sehr wohl fühle, zieht es mich immer wieder nach Finnland. Die Sommerferien in Helsinki sind seit 2004 fester Bestandteil meines Lebens. In Finnland habe ich eine zweite Heimat gefunden“.

Stagiaire S.W.

„Ich bin eine Schweizerin.     
Als Kind hätte ich es mega spannend gefunden, wenn ich aus einem fremden Land  gekommen wäre, oder wenn ich eine andere Sprache gesprochen hätte. Heute ist das nicht mehr so! Ich bin eine stolze Schweizerin und freu mich sehr über meine schöne Heimat. I bin dankbar, dass ich hier – auf Zeit - daheim bin“.

Stagiaire M.M.

„Meine beste Freundin Lina. Von klein auf war sie meine Nachbarin. Tür an Tür. Wir entdeckten zusammen die Welt. Sie zog jedoch nach 5 Jahren weg. Physisch waren wir nun getrennt. Ein Stück Heimat ging verloren. Wir haben uns aber nie vergessen und sind auch heute noch beste Freundinnen geblieben“.

Stagiaire S.L.

„Bin ursprünglich aus Italien. Doch verbindet mich heute nichts mit meinem Heimatland. In der Schweiz bin ich aufgewachsen, fühle ich mich jedoch nicht zuhause. Das Gefühl von Heimat habe ich in der Stadt Dublin richtig kennengelernt und gefühlt. Die Anziehungskraft von Land, Leute, Mentalität und Zusammengehörigkeit hat mich verzaubert“.

Stagiaire M.R.

„Auf der Autobahn nördlich von Wien erscheint in der Ferne das Schloss Pressburg (slowakisch ; bratislavský hrad); beim ersten Anblick, schauderts mich, und ich fühle, ich bin zu Hause“.

Stagiaire E.B.

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