Besuch im Stadtmuseum Aarau

«Ein Besuch im Museum ist was für alte Leute.» Diese Aussage stimmt definitiv nicht. Dies konnten die Teilnehmenden von stage-on-air im Rahmen eines Kurses selbst erleben. Hier die verschiedenen Eindrücke unseres Besuchs.

 

Sonderausstellung«Netzwerk Schweizer Pressefotografie»

Was für ein Geschenk!

Die Analoge Fotografie hat mit der Moderne ausgedient und ein riesiges Archiv voller Fotos hinterlassen. Sieben Millionen Bilder dokumentieren die Schweizer Geschichte über den Zeitraum der späten 1930er Jahre bis ins Jahr 2000. Die Ringier Medien haben ihr gesamtes Bildarchiv dem Staatsarchiv des Kantons Aargau geschenkt. Ein Geschenk, das sicher wertvoll zu erhalten ist, aber auch eine immense Arbeit mit sich bringt.

Ein kleiner beachtenswerter Ausschnitt aus diesem Archiv wird nun im Stadtmuseum Aarau gezeigt.
Ab dem letzten Jahrhundert hat die Pressefotografie einen grossen Anteil am Erfassen und Dokumentieren des Zeitgeschehens beigetragen.
Ein Augenblick der Freude oder Tragik - für immer festgehalten.

Jedes Pressefoto hat eine Geschichte: Die Ausstellung führt uns vom Auftraggeber über den Fotografen, den Fotografierten, den Klick, die Übermittlung, die Auswahl bis zur Retusche… ein langer Weg bis zur Publikation.
Interessante Interviews von Reportern und Fotografen sowie alte Zeitungen lassen die Faszination der damaligen Zeit spüren.

Einige Fotos sind sehr poetisch und wunderschön. Andere lustig und zum Schmunzeln, einige unendlich traurig… ein Spiel von fast 70 Jahren Schweiz. 

Mehr über das Ringier Bildarchiv:
https://www.ag.ch/de/bks/kultur/archiv_bibliothek/ringier_bildarchiv_2/ringier_bildarchiv.jsp

Mehr über Netzwerk Schweizer Pressefotografie:
http://www.stadtmuseum.ch/page/495

Dieser Bericht wurde von Stagiaire M.M verfasst

 

Camera obscura im Stadtmuseum Aarau

Der Besuch des zuoberst gelegenen Museumsteils im Turm lohnt sich!

In diesem Raum wurden mehrere Camerae obscurae nach dem Urprinzip der Fotografie installiert. Nimmt man auf den bequemen Theatersesseln Platz, kann man dem Treiben auf dem Schlossplatz folgen: Youtube in Realtime.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der physikalisch bedingte Umstand, dass die Bilder auf den ca. 2x3m grossen Leinwänden, auf dem Kopf stehen. Die Installation, der auch als Lochkamera bekannten Anordnung, besticht durch die klaren Abbildungen. Diese sind einzig durch Löcher in der Wand entstanden. Eine automatische Blende vor dem Loch bewirkt, dass die projizierten Bilder mit Abnahme des Lochdurchmessers zwar schärfer, aber auch dunkler werden. Das bringt noch mehr Dramaturgie in die Liveübertragung vom Schlossplatz!

Dieser Bericht wurde von Stagiaire T.W. verfasst.

 

Das letzte Burgfräulein von Aarau

1861 kauften Emil und Lisa Rothpletz das Schlössli für CHF 40´000.-. Nach ihrem Bruder Emil wurde Frida Rothpletz als zweites Kind 1874 in diesem historischen Gebäude geboren. Als 18-Jährige studierte sie nur ein Semester in Genf französische Literatur. Trotz ausgezeichnetem Examen kehrte sie danach wieder nach Aarau zurück. Nach dem Tod ihrer Eltern 1907 zog sie ins Schlössli und richtete sich eine 4-Zimmer Wohnung im 2.Stock ein. Mit Ihrem Bruder Emil verbrachte sie viel Zeit. 1930 schenkten Frida und Bruder Emil das Schlössli der Stadt Aarau mit der Auflage, ein Wohnrecht auf Lebzeiten für Frida einzuräumen. Das Renovierungs-bedürftige Gebäude wurde von der Stadt saniert und in den unteren Räumen wurde die historische Sammlung untergebracht. Bis 1952, inzwischen 78 Jahre alt, wohnte Frida im Schlössli. Die Frau hatte altersbedingte Probleme mit den vielen Treppen im Gebäude und verzichtete deshalb gegen eine Ablösesumme auf das Wohnrecht. Sie zog nach Basel in die Pilgermission St. Chrischona wo sie ihren Lebensabend verbrachte und am 7. Februar 1961 starb.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire A.N. verfasst

 

Geschichte der Stadt Aarau

Wussten Sie, dass  Aarau für 6 Monate die erste Hauptstadt der Schweiz war? Oder das Chocolat Frey in der Aarauer Altstadt gegründet wurde?

E=mc2! Genau, eine der berühmtesten Formeln der Welt kommt von keinem geringerem als dem Nobelpreisträger für Physik 1921, Albert Einstein. Er studierte unteranderem auch an der Kantonsschule in Aarau. Für seine historischen Errungenschaften wurde ein Gebäude dieser Schule nach ihm benannt.

Warum Birchermüsli, Birchermüsli heisst, liegt daran das der Aarauer Ernährungsformer und Arzt Maximilian Oskar Bircher-Benner um das Jahr 1900 diese Mahlzeit erfunden hat. Mit der Apfeldiätspeise aus den Zutaten, Haferflocken, Äpfeln, Nüssen, Zitronen und gezuckerter Kondensmilch wollte er seinem Zürcher Sanatorium die Vollwertdiät näher bringen. Mit dem Birchermüsli ist ihm genau das gelungen.
Diese und viel weitere Ereignisse der Altstadtgeschichte, lernen Sie im Stadtmuseum Aarau kennen.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire I.A. verfasst.

 

Werbung aus der Belle Époque

Im Ausstellungsraum der „Sammlung Kern“, eine ehemalige Industriefamilie aus Aarau, die auch in der Photogrammetrie wegweisend war, befindet sich eine kleine Schatzkammer der etwas anderen Art. Werbeplakate aus der „Belle Époque“, die es wirklich in sich haben, ein „once upon a time“-Effekt für heutige Werbeprofis.
Kreativ, ansprechend und wirkungsvoll, gepaart mit unterschwelligem Humor, wurde zu dieser Zeit ohne ethische oder moralische Bedenken geworben. Nicht nur für Feriendomizile wie Grindelwald, ebenso für Gesichtsseifen aus Eigelb oder Hautcrème gegen Mückenstiche2. Unterwäschehersteller wie Esprit, Feinkost wie Salami, welchen es heute in der Schweiz dank Citterio nicht mehr zu kaufen gibt und Genussmittel aus fernen Ländern, die explizit mit der Art der Werbung schon darauf hinwiesen.
Ein Augenschmaus auch für weniger Interessierte an Museen-Ausstellungen.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire E.B. verfasst.

Von Instagram zu schlechtem Kaffee: Einblick in den Museumsbesuch eines Ignoranten

Aarau ist ein kleines und schönes Städtchen im Herzen des Aargaus. Tatsächlich war es 1798 für ganze sechs Monate die Schweizer Hauptstadt. Doch neben dem ganzen geschichtlichen Teil, hat Aarau noch viel mehr zu bieten. Ich rede nicht vom Nightlife, welches fast nicht vorhanden ist oder vom kulturellen Angebot, dass einem sinnbildlich aus den Ohren quillt.
Ich rede vom Aarauer Erbe. Das Stadtmuseum Aarau stellt genau das dar. Ein Zusammenspiel aus allem, was die Stadt ausmacht. Kultur, Geschichte und Kunst.

Das klingt für einen Kenner ausgesprochen toll. Ein Besuch im Schlösslimuseum der Stadt Aarau. Echt klasse! Wer meinen Sarkasmus nicht spürt, liest wohl nicht zwischen den Zeilen.
Ich bin kein Kenner von Museen, habe auch kein fundiertes historisches Kunstwissen oder antiquare Kenntnisse, aber so wie es mir in einem Museum geht, geht es schätzungsweise 75 Prozent aller Leute. Sie haben keine Ahnung!
Die Strategie dahinter: interessiert wirken! Wie geht das? Angestrengt schauen um Interesse vorzutäuschen, energisch nicken um genau dieses vorgetäuschte Interesse zu unterstreichen und bei jedem Witz lachen, auch wenn man die Pointe nicht verstanden hat. Warum sehe ich so viele Parallelen zu meinen Dates? Anyway!

Ich wollte dem Schlössllimuseum trotzdem eine Chance geben mich in seinen Bann zu ziehen. Architektonisch gelang es dem Gebäude sehr gut. Ein Zusammenspiel aus Alt- und Neubau, wenn man das Innere der grossen Eingangshalle betritt. Was stark auffällt, die vielen Treppen, die durch alle Stockwerke führen. Fotos hängen an den Wänden und weisen auf die Hauptausstellung hin, die das Motto „Pressefotografie“ beinhaltet. Für einen Journalisten wie mich ein sehr interessantes Thema. Meine Neugier packt mich und ich laufe in einen grossen hellen Raum, in welchem diverse Plakate mit Fotos und Schlagzeilen von der Decke hängen. Vitrinen sind kreisförmig darum aufgestellt und beinhalten Fotos aus der damaligen Pressefotografie vor Kim Kardashien, Snapchat und der ganzen Photoshop-Bearbeitung. Damals wurde noch auf hohem Niveau getrickst und retuschiert.

Mich führt mein Weg einen Stock weiter. Ich laufe einen Gang entlang in den Altbauteil des Museums. Eine Kiste steht inmitten eines Raumes. Ein kleines Fenster weisst in das Innere der Kiste. Eine Horde Holzpuppen ist darin versammelt. Ich finde einen Knopf an der Kiste und ein paar Kopfhörer. Ich ziehe sie mir über den Kopf und betätige den Knopf. Mir wird eine Geschichte erzählt. Die Holzpuppen haben je eine Rolle in dieser Geschichte. Fragt mich nicht, was da erzählt wurde, ich war zu sehr von den Puppen fasziniert. An den Wänden hängen noch Bilder von den einzelnen Puppen, deren Rollen in der Geschichte aufgezeichnet sind. Ich fühle mich beobachtet. Hoffentlich verschwören sich die Puppen nicht gegen mich. Ich verlasse ganz sachte den Raum und ziehe weiter.

Einen Stock höher steht im Gang eine Stange mit Kleidern und Hüten. Hat irgendwo ein Secondhand Shop eröffnet? Ich betrete einen Raum. Darin steht ein Stuhl. Vor dem Stuhl steht eine Kamera. In meinem Hirn rattert’s bis ich eins und eins zusammen zähle. Foto Booth!
Ich lass es mir nicht nehmen und zieh mich ganz Napoleon-mässig an und lass mich ablichten. Das geht auf Instagram!

Ich zieh mich um und laufe noch den letzten Stock hoch. An einem Schild vor einer weissen Tür steht „Camera Obscurus“. Da kommt mir ein Wes Craven Horrorfilm in den Sinn. Was mich da wohl erwartet? Voll mit Vorurteilen betrete ich einen stockdunklen Raum. Darin hängen im ganzen Raum Leinwände verteilt von der Decke. Ich erkenne Fotos auf den Leinwänden. Sie stehen aber Kopf! Also doch ein Horrorfilm. Der Raum wird erleuchtet. Oh! Meine ersten Likes auf Instagram wegen meines Fotobooth. Läuft bei mir… Handy weg! Zurück zu den Leinwänden. Je heller der Raum wird, umso unschärfer wird das Bild. Das ganze Spiel verkehrt. Faszinierend! Dennoch werd ich vor lauter Dunkelheit müde.

Ich verlasse den Raum und laufe wieder die Treppen runter, zurück zum Foyer. Nach dem ganzen Rundgang brauch ich einen Kaffee. Ich gönne mir einen Schlösslimuseums-Kaffee, setze mich hin, checke meine Instagram-likes – läuft bei mir weiter – und trinke einen Schluck meines Kaffees. Naja, dreckiges Wasser würde es besser beschreiben.

Dieser Bericht wurde von Stagiaire S.I. verfasst.

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