Besuch des Zurich Film Festival

Das Zurich Film Festival bietet eine Plattform für die vielversprechendsten neuen Filmemacher/innen aus der ganzen Welt. Es hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch zwischen aufstrebenden Regisseur/innen, Filmschaffenden, der Filmindustrie und dem Publikum zu fördern.

Das Zurich Film Festival fand im Oktober 2005 zum ersten Mal statt. Es hat sich innerhalb weniger Jahre in der nationalen und internationalen Festivallandschaft etabliert. Seit der ersten Austragung ist das Festival stetig gewachsen. Die grössten Stars am ZFF 2018 waren Judi Dench, Wim Wenders und Donald Sutherland. Jeder von ihnen erhielt eine Auszeichnung für seine Lebenswerke und Spuren in der Filmlandschaft.

Am 3. Oktober 2018 hat das Team von stage-on-air das Zurich Film Festival besucht. Jeder im stage-on-air-Team konnte sich zwischen den Filmen „Welcome to Sodom“ und „Subito - Das Sofortbild“ entscheiden. Der Besuch im Kinosaal war aber keinesfalls nur aus Spass geplant, nein, die Stagiaires schrieben eine Filmkritik. Diese können weiter unten im Beitrag gelesen werden.

Die Reise nach Zürich war für das stage-on-air-Team eine kulturelle Erweiterung des Filmhorizontes.

Radio Energy Zürich

Ein weiss-schwarzer, zweistöckiger Cube mit Glasfronten mitten auf dem Festgelände des Zürich Film Festivals: Das Studio von Radio Energy. Für jedermann offen um einen Besuch abzustatten und den Radiomachern über die Schultern zu schauen. Wie machen die denn das, was wir jeden Tag zu hören kriegen?

Eine kleine Treppe führt in den oberen Stock, wir müssen uns verteilen im Cube, damit wir keine Seitenlage bekommen. Ein paar kleine Kinder mit ihren Mamis sind schon da und schauen mit riesigen Augen dem Geschehen zu. Die zukünftigen Moderatoren von morgen vielleicht?

Wir sehen einen Tisch mit mehreren Bildschirmen, zwei Mikros und vielen Knöpfen. Am Mikro sitzt gerade Sascha Wanner. Jemand wo man sofort spürt, dass er seinen Job heiss und innig liebt. Er berichte gerade über den neuen Euromillionär aus Basel. Falls dein Kollege morgen eine Runde ausgibt oder dem Chef gewaltig die Meinung geigt, mache man sich also sehr verdächtig. Das Mikro ist aus und wir werden herzlich begrüsst unter Kollegen. Weil wir ja auch schon Profis sind, stellen wir eher Fragen zu der Energy Technik. Wie gehen sie vor, ob aus dem Würfel alles live gesendet wird und die kleinen Tipps und Tricks eines hauptberuflichen Moderators.

Es wird während der Sendung Musik zusammengeschnitten, Beiträge werden fertiggestellt, da ein Jingle rein, da ein Werbeblock dazwischen, ein Telefon mit dem Hauptstudio über einen Beitrag. Es folgen die Nachrichten, eingespielt aus dem Hauptstudio. Im Kopf ist Sascha schon fünfzehn Minuten in der Zukunft - und schon ist er wieder On Air. Knopf da, Regler hoch und runter, klick da, klick dort, ein wenig Text und wieder Musik ab. Wenn man gut vorbereit sei, liege auch eine Zigipause mal drin, scherzt er. Als nächstes folgt ein Beitrag über Filmmusik. Stars und Sternchen wurden gefragt, ob sie den Song erkennen. Nachher erzählt uns Sascha, dass der Beitrag schon älter ist und jetzt nochmals gesendet wurde. Recycling nennt man das.

Unsere Faszination über so viel Routine und Lässigkeit ist gross und wir stellen fest, wir müssen noch sehr viel üben. Smile !!

(Dieser Text wurde von Stagiaire M.G. verfasst)

 

Subito - Das Sofortbild

 

Filmkritik von Stagiaire M.v.R.

Der Schweizer Drehbuchautor und regieführende Peter Volkart dokumentiert im Film „Subito“ aufklärend die Geschichte von Polaroid und ihren Einfluss bis heute. Nicht nur für die Entstehung der Sofortbildkamera war Polaroid unerlässlich, sondern auch 3D-Kinos und LCDs würde es ohne Polaroid gar nicht geben. Auch die Polizei und das Militär nutzen seine Erfindung. Der Erfinder und Physiker Edwin H. Land hat sich 1943 an die Erfindung der Polaroidkamera herangewagt, denn er wusste wie. Die Idee zur Sofortbildkamera  hat er seiner Tochter zu verdanken, denn sie fragte ihn, warum sie das Bild nicht sofort nach der Aufnahme sehen könne. 1947 wurde die erste Sofortbildkamera in New York vorgestellt. Kein Wunder waren die Massen von den Sofortbildkameras begeistert, denn nach der Aufnahme hatte man nach nur einer Minute ein fertiges Bild in den Händen. Eine Kamera, welche die magischen Momente im Leben in dieser einen Sekunde einfängt. Man muss nicht Wochen bis zur Entwicklung warten, sondern hat das Bild sofort in den Händen.

Immer mehr prägten neue technische Innovationen und Erfindungen die neuen Modelle der Sofortbildkameras. Zum Beispiel das Polaroid Swinger Model in den 60igern  oder das legendäre Kameramodell SX-70 wurden zu alltäglichen Begleitern, so nutzten sogar die Künstler Andy Warhol oder die Schweizerin Hannah Villiger die Polaroid – Kameras. Doch aufgrund der Digitalisierung, eine Erfindung der Firma „Kodak“, musste die letzte Fabrikationsstätte in Enschede (Holland) von Polaroid im  Jahre 2008 endgültig schliessen. Die Polaroid-Kamera war mehrere Jahrzehnte ein Kultobjekt. Doch ist sie es noch heute?

Der Wiener Biologe und Polaroid-Fan Florian Kaps erkannte den Wert der Sofortbildkamera, auch noch für die heutige Zeit. Er kaufte die Fabrikationsanlage für magere 180'000 Euro und stellte ein Onlinegeschäft mit abgelaufenen Polaroid- Filmen, welche eine ganz spezielle chemische Reaktion auf dem Fotopapier aufweisen, auf die Beine. Dies wurde zum vollen Erfolg. Bis heute werden neue Polaroid - Kameras und Filme entwickelt. Jede Menge Menschen erfreuen sich daran, die Magie des Augenblicks, das Licht, die Situation und das Geschehnis durch Bildfindung oder Spontanität einfangen und wieder ausleben zu können, ohne im Nachhinein digital etwas daran ändern zu können. „Du hältst das Bild in den Händen, das du gerade vor einigen Sekunden mit der Sofortbildkamera gemacht hast. Es ist genau dieser Moment, wie es war und du kannst nichts daran verändern, bevor es aus der Kamera kommt…“

Dieser Magie geht Peter Volkart auf die Spur – mit sämtlichen Archivschätzen, Kunstfotos, Amateuraufnahmen und Werbefilmen, kunstphilosophischen Einblicken und natürlich mit Schnappschüssen. Mich hat der Film „Subito“ sehr inspiriert, denn als der Film zu Ende war, entschied ich mich, auch eine solche Polaroidkamera zu kaufen J. Es ist bemerkenswert, die Geschichte der technischen Wundermaschine „Sofortbildkamera“ zu kennen und ihren Einfluss auf das Zwischenmenschliche, auf den Moment und auf die Erinnerung zu verstehen. Denn an diesem Bild kann ich nichts digital verändern.

Ich empfehle jedem den Film, ob jung oder alt, denn es lohnt sich Mr. Lang, Florian Kaps und die Ansicht von Peter Volkart kennen zu lernen.

Filmkritik von Stagiaire R.M.

Im Dokumentarfilm Subito – Das Sofortbild geht es um die Geschichte der Sofortbildkamera Polaroid. Am Anfang der Geschichte steht ein Spaziergang von Edwin Land mit dessen Tochter. Der begeisterte Hobbyfotograf nahm dabei seine Kamera mit und fotografierte seine Tochter. Diese fragte ihn daraufhin, ob sie sich die gemachten Bilder denn jetzt ansehen dürfe. Edwin Land lächelte seine Tochter an und sagte zu ihr, leider müsse sie sich noch gedulden, denn zuerst müsse er den Film entwickeln lassen. Ein wenig traurig gab sich seine Tochter damit zufrieden. Ihm jedoch ging die Frage seiner Tochter nicht mehr aus dem Kopf. Schon auf dem Nachhauseweg entstand in seinem Kopf eine Idee, welche er kaum zu Hause innerhalb von drei Stunden niederschrieb. Der hochintelligente Edwin Land gebar an diesem Tag eine Idee, welche die Welt verändern sollte. Seine Erfindung des Polarisationsfilter - welche es möglich machte, das gemachte Bild umgehend in der Kamera entwickeln zu lassen - liess er sich 1933 patentieren. Edwin Land gründete mit seinem ehemaligen Physiklehrer Wheelwright von der Harvard University 1937 in Boston die Firma Polaroid. In langjähriger Arbeit und mit schier grenzenloser Geduld gelang es ihnen die erste Sofortbildkamera der Welt zu entwickeln. Im Jahre 1947 stellte Edwin Land seine Erfindung erstmals an der Jahresversammlung der Optical Society of America vor. An diesem wegweisenden Tag veränderte sich nicht nur sein Leben, sondern das der ganzen Welt. Seine Erfindung des Polarisationsfilters revolutionierte nicht nur die Fotografie, sondern fand Verwendung in den verschiedensten Bereichen wie dem Militär, dem Kino, und vielen anderen Orten. Ohne diese Erfindung hätte es damals keine Sonnenbrillen, kein 3D Kino und vieles mehr gegeben so wie auch keine LCD Bildschirme heute.
Da diverse Institutionen das Potenzial dieser Erfindung sofort erkannten, konnte Edwin Land mit Hilfe der finanziellen Unterstützung derselben 1948 die erste Sofortbildkamera Typ95 in Serie produzieren lassen. Innert kürzester Zeit war diese ausverkauft. Dass man das gemachte Bild praktisch sofort in Händen halten konnte, hatte damals schon fast was Mystisches.
Bis ins Jahr 2008 wurde die Polaroid Sofortbildkamera stetig weiterentwickelt und handlicher gemacht. Sie gehörte seit Ende des Krieges in Europa zum Familienurlaub oder dem Grillfest dazu. Im Jahre 1974 erfand der Amerikaner Steve Sasson das digitalisierte Bild und leitete damit eine neue Ära in der Fotografie ein. In der Folge hatten die analogen Fotoapparate und die Sofortbildkameras immer mehr Probleme, sich in der digitalisierten Welt zu behaupten. Für Polaroid kam dann im Jahre 2008, auch auf Grund von Misswirtschaft im Management, das definitive Aus.
Doch die Sofortbildkamera hatte weltweit viele Fans und einer davon, der Wiener Florian Kaps, schaffte es mit Mut, Innovation und einer grossen Portion Pfiffigkeit die Marke Polaroid zu retten.
Über die Kunst, Fans der analogen Fotografie und Enthusiasten wurde der bereits tot geglaubten Polaroid Sofortbildkamera wieder neues Leben eingehaucht. Ja heute ist Sie wieder ein fester Bestandteil der Kunstszene und wird von vielen Fans der analogen Fotografie wiederentdeckt.

Der Filmemacher Peter Volkart, selbst ein grosser Fan der Polaroidkamera, vermag es dem Zuschauer zu vermitteln, wie wegweisend die Erfindungen von Edwin Land für die ganze Welt waren und nach wie vor sind. Unter der Mitarbeit von bekannten Künstlern, welche über Jahre mit dieser Kamera gearbeitet haben, mit Einbindung von historischem Bildmaterial und mit persönlichen Interviews zum Beispiel mit Florian Kaps, nimmt Peter Volkart den Zuschauer mit auf eine Reise durch die Geschichte der Sofortbildkamera.
Er versteht es, in liebevoller und humorvoller Art und Weise jedem Zuschauer die Faszination dieser Geschichte zu vermitteln. Ganz unversehens hat man das Bedürfnis, ein Teil dieser Bewegung zu sein. Wunderbare Bilder, die einem in die eigene Vergangenheit zurück versetzen und fast vergessene Erlebnisse wieder spürbar machen. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, die Geschichte solcher Menschen und Apparate zu ehren und den Menschen wieder nahe zu bringen.

Ich als vollkommener Laie was analoge Fotografie betrifft, habe mich von diesem Film begeistern und inspirieren lassen. Die Erinnerungen an früher, als meine Tante Bilder mit einer Polaroid Kamera gemacht hat, haben mich mit einem wohligen Gefühl in meinen Erinnerungen schwelgen lassen. Jeder wird auf eine Reise in die Vergangenheit bis zurück in die Gegenwart mitgenommen, nach der man schon fast wehmütig sich selbst eine Polaroid Kamera wünscht oder kaufen will. Das sagt wohl schon sehr viel über diesen absolut sehenswerten Film von Peter Volkart aus, den ich anzuschauen allen wärmstens empfehlen kann. Ja es ist sogar fast ein Muss für jeden Fotografiebegeisterten, aber auch für jedermann(frau) und sei er oder sie noch so unbedarft in Sachen Fotografie.

 

The Cleaners

 

Filmkritik von Stagiaire D.B.

Bei „The Cleaners“ handelt es sich um einen Dokumentarfilm, bei dem sogenannte Content Moderatoren gezeigt werden, deren beruflicher Alltag darin besteht, uns vor grausamen Internetinhalten zu schützen.

In der philippinischen Hauptstadt Manila sitzen in einem tristen grauen Büroturm Frauen und Männer, die auf Computerbildschirme schauen, während man immer wieder eine monotone Stimme sagen hört, „ Ignore - delete - delete - delete - Ignore“.  Sie arbeiten bei Social-Media-Giganten wie Facebook, Google oder Youtube und, wie der englische Name Cleaner schon sagt, putzen sie das Internet. Sie müssen eine Quote erfüllen; 25000 Bilder, Videos und Texte werden pro Tag danach bewertet, ob sie den Richtlinien der Community entsprechen und daher bleiben oder gelöscht werden müssen.

 Verschiedene Charaktere werden vorgestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch die gleiche Arbeit ausüben.  Da ist einerseits die junge Christin, die es als ihre Aufgabe oder Opfer sieht, das Internet von der Sünde zu befreien.  Der konservative junge Mann, der die radikalen Ansichten der Drogenpolitik seines Präsidenten teilt und so seinen Beitrag leisten will. Die Frau welche schon so viele Genitalbilder gesehen hat, dass sie schon davon träumt und hin und her gerissen ist zwischen Ekel und Gefallen.  Die junge Frau, welche schon öfters darüber nachdachte, den Job zu kündigen, weil sie keine Bilder oder Videos mit Kinderpornografie mehr sehen konnte. Zu guter Letzt wird am Rande ein Herr erwähnt, der den Freitod wählte, da er mit dem Gesehenen einfach nicht mehr klar kam.

Die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck brachten einen düsteren Dokumentarfilm auf die Leinwand, der wie ein Thriller daherkommt. Als Beispiel: Vor jeder Szene erscheint eine hastig getippte Mailbotschaft, die tiefe Einblicke in das Leben und Arbeiten der Cleaner gewährt und somit an einen Spionagefilm erinnert. Ständige Nacht und Dunkelheit, mit teilweise vor Bildschirm sitzenden Halbgesichtern passen zu diesem Thriller-ähnlichem Dokumentarfilm.

Diese Dokumentation hat mich in ihren Bann gezogen. Auch als Zuschauer fragte ich mich des Öfteren, in wie weit man selber abgestumpft ist und was des Guten zu viel ist.  Spannend, düster, informativ und teilweise auch ein bisschen lustig, werden uns die moralischen Ansichten der Firmen und unsere eigenen vor Augen geführt. Dieser Film wird Jung und Alt gleichermassen fesseln.

Filmkritik von Stagiaire H.W.

Die Dokumentation „The Cleaners“ wirft ein Licht auf die sozialen Medien  Facebook, Twitter, YouTube u.s.w. und ihrem Umgang mit kritischen Inhalten. In einer Zeit wo Mensch sich jederzeit und überall im „World Wide Web“ verewigen kann mit Bildern, Filmen und Texten wird das zusehends auch zum Problem. In Manila (Phillipinien) beschäftigen sich tausende von sogenannten „Content Moderatoren“ täglich mit kritischen Bildern über Gewalt, Sex, Krieg, Rassismus u.s.w. Sie beurteilen bis zu 25‘000 Bilder pro Tag und entscheiden innerhalb von Sekunden ob ein Inhalt im Netz bleibt oder gelöscht wird. Verschiedene Mitarbeiter, Männer wie Frauen werden in z.T. anonymen Interviews zu ihrer Befindlichkeit und deren Auswirkung befragt. Mehrmals wurde erwähnt, dass bestimmte Bilder zwar im Netz gelöscht wurden, aber leider unauslöschlich beim Moderator hängen blieben.

Zudem gibt es ein paar Statements von Mark Zuckerberg und auch Einspieler über die Anhörung der Facebook Verantwortlichen vor dem Ausschuss des US Senats. Der Film ist eindrücklich, die Bilder sind eher dunkel gehalten, entfalten aber zusammen mit dem stimmigen Soundtrack eine grosse Wirkung. Beispielsweise nach einem intensiven Arbeitstag schlendert eine Moderatorin gedankenversunken über eine einsame Müllhalde vermutlich nach Hause im Vorortsslum von Manila. „Schon meine Mutter sagte mir, entweder studierst du oder du landest auf dem Müll der Vorstadt“ sinniert sie. Der Preis, den sie nach dem Studium für diesen Job zahlt, ist allerdings hoch und sehr fragwürdig. Sehr empfehlenswerter Film über eine Grauzone unserer globalisierten und vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts.

 

 

Welcome to Sodom

 

Filmkritik von Stagiaire F.L.

Der Film „Welcome to Sodom“ ist ein Dokumentarfilm, der in Accra, der Hauptstadt von Ghana, spielt. Dabei wird ein Teil von Accra besonders beleuchtet und das ist die grösste Elektromülldeponie der Welt mit dem Namen Agbogbloshie. Man sieht Berge von Müll, den verdreckten Fluss, schwarzer Rauch und Menschen wie Tieren die darin leben. Es wird gezeigt, dass ein grosser Teil des Elektromülls auf illegalem Wege nach Accra gelangt. Es ist ein toxischer, aber kein verlassener  Ort. Es lebt eine Vielzahl an Menschen und Tieren auf dieser Müllhalde. Man erhält mit eindrücklichen Bildern einen Einblick in das Leben der Menschen, die im und um den Müll leben und arbeiten. Dabei wird gezeigt dass sie am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen.

Der Film „Welcome to Sodom“ ist ehrlich gesagt schwer einzuschätzen. Er ist in erster Linie eine Bildgewalt und äusserst eindrücklich. Der ganze Müll der dort liegt, das war bis vor Kurzem ausserhalb meiner Vorstellungskraft. Für mich war der Anblick dieser Deponie sehr schmerzhaft. Vor allem wenn ich mir vorstelle, welch schöne Landschaft es einst war. Ebenfalls schockierend war, wie dort die Menschen leben und arbeiten und - seien wir mal ehrlich - für uns käme so ein Leben nicht in Frage.

Das klingt jetzt wohl sehr positiv und bejahend, aber der Film hat meiner Meinung nach etliche Schwächen. Es gibt einige Protagonisten, die von ihrem Leben erzählen oder religiöse Predigten halten aber das Warum und Wieso wird nicht beantwortet und es bleiben noch etliche Fragen offen. Wo ist die Struktur beim Arbeitsablauf der Menschen? Woher kommt das frische Wasser? Warum suchen sich Entflohene ausgerechnet diesen Ort aus? Was soll wirklich vermittelt werden? Warum wird nur nach Metallen gesucht, ist Plastikabfall nicht auch eine gute Geldquelle? Irgendwie wird einem das Gefühl vermittelt, dass auf dem gesamten afrikanischen Kontinent die gleichen Verhältnisse herrschen wie in Accra. Es ist schockierend, was unser schlechtes Konsumverhalten ausgelöst hat. Aber ich finde der Film bettelt nahezu um Aufmerksamkeit und Mitleid, aber die Fragen die man sich stellt, werden nicht beantwortet. Darum ist es so schwer, das Gesehene nachzuvollziehen. Schade, denn das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Missstände zu zeigen, wie sie sind.

 

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